Fast nur männliche Asylwerber gehen arbeiten

Erntehelfer bei der Spargelernte auf dem Spargelhof Hugo Simianer & Soehne in Busendorf bei Beelitz
840 Asylwerber erhielten Arbeitsbewilligungen im Tourismus - 909 in der Land- und Forstwirtschaft. Im Bild ein Erntehelfer auf einem Spargelfeld (Symbilbild)(c) imago/photothek (Thomas Trutschel/photothek.net)

Ein Blick auf die Beschäftigungsbewilligungen für Asylwerber im Tourismus zeigt, dass hauptsächlich Männer arbeiten gehen. Die Neos sehen das Potenzial nicht ausgeschöpft.

In den Jahren 2015 bis 2018 sind für Asylwerber insgesamt 840 Beschäftigungsbewilligungen für den Sommer- und Wintertourismus erteilt worden. 909 waren es im gleichen Zeitraum in der Land- und Forstwirtschaft, geht aus der Beantwortung einer Neos-Anfrage durch das Sozialministerium hervor. Die Neos-Abgeordnete Stephanie Krisper kritisierte, dass das Potenzial gerade im Tourismus nicht ausgeschöpft werde.

Asylwerber können nach drei Monaten ab Zulassung zum Asylverfahren eine Beschäftigungsbewilligung bekommen. Diese wird laut Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) nur befristet erteilt und verlängert, ein unbefristeter Arbeitsmarktzugang ist damit nicht möglich. Für den Wintertourismus erhielten demnach in den Jahren 2015 bis 2018 insgesamt 431 Asylwerber - davon 401 Männer - eine solche Bewilligung. Neos-Angaben nach wurden damit neun Prozent der verfügbaren Beschäftigungsbewilligungen (4580) an Asylwerbende vergeben.

Für den Sommertourismus waren es im gleichen Zeitraum insgesamt 409 Personen, davon 356 Männer. Von den insgesamt 3025 Beschäftigungsbewilligungen wurden für den Sommertourismus damit knapp 14 Prozent an Asylwerber vergeben. Für die Land- und Forstwirtschaft wurde in den vergangenen vier Jahren insgesamt 909 Asylwerbern Bewilligungen erteilt und für Erntehelfer waren es in Summe 374.

Kritik an Lehre-Verbot für Asylwerber

Neos-Mandatarin Krisper betonte in einem Statement am Donnerstag: "Eine frühzeitige Integration in den Arbeitsmarkt ist das beste Mittel, um Asylwerbende rasch in unsere Gesellschaft zu integrieren und ihnen eine Aufgabe zu geben. Anscheinend ist das noch zu wenig bei der Bundesregierung angekommen. Gerade bei den Tourismuskontingenten zeigt sich, dass hier das volle Potenzial nicht ausgeschöpft wird." Für Krisper ist auch unverständlich, dass die ÖVP-FPÖ-Regierung trotz Fachkräftemangels und positiver Beispiele in anderen EU-Ländern weiterhin auf Asylwerber in der Lehre verzichtet.

Um anerkannte Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, gebe es Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, heißt es in der Anfragebeantwortung weiter. 2018 haben insgesamt 45.678 Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte (davon 31.934 Männer) an solchen teilgenommen. Rund 163,5 Millionen Euro wurden dafür aufgewendet. Vom deutschen Drei-plus-zwei-Modell für junge Asylwerber hält Hartinger-Klein hingegen nichts: Es bestehe aus arbeitsrechtlicher Sicht kein Grund, dieses Modell in Österreich zu übernehmen, ist der Beantwortung zu entnehmen. Für dieses deutsche Modell tritt unter anderem auch der oberösterreichische Landesrat Rudolf Anschober (Grüne) ein.

(APA)