Schwerer Konflikt: Paris beruft Botschafter aus Rom zurück

Frankreichs Botschaft in Rom im Palazzo Farnese
Frankreichs Botschaft in Rom im Palazzo FarneseMyrabella/CC BY-SA 3.0
  • Drucken

Spannungen zwischen Italien und Frankreich wegen primär der Migrationsfrage spitzen sich zu. Französisches Außenministerium spricht von "präzedenzlosen und unerhörten Attacken" seitens italienischer Regierungsvertreter.

Die Spannungen zwischen Italien und Frankreich haben sich kräftig zugespitzt: Frankreich hat am Donnerstag seinen Botschafter aus Rom zurückberufen. Damit reagiere man auf die "wiederholten, grundlosen Angriffe und die unerhörten Äußerungen" von italienischen Regierungspolitikern hinsichtlich Frankreichs, teilte das Außenministerium in Paris mit. Es sprach von "präzedenzlosen und unerhörten Attacken" seitens italienischer Regierungsvertreter. "Unstimmigkeiten zu haben, ist eine Sache, aber die Beziehungen für Wahlziele zu manipulieren, ist eine andere".

Die Beziehungen zwischen Rom und Paris sind seit Monaten gespannt, wobei es vor allem um die Migrationsfrage geht. Jüngstes Ärgernis für Paris war ein Treffen von Italiens Vizepremier Luigi Di Maio mit dem Anführer der "Gelbwesten", Christophe Chalencon, die seit Wochen gegen die Politik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron protestieren.

Öl ins Feuer schüttete am Donnerstag das Innenministerium in Rom, das von Vizepremier Matteo Salvini geleitet wird. Das Innenministerium beschwerte sich über die Anti-Migrationskontrollen der französischen Polizei an Bord von italienischen Zügen, die in Modane in Richtung Frankreich unterwegs sind. "Das Ergebnis sind große Verspätungen, die Reisenden und Unternehmen schaden", verlautete der italienischen Nachrichtenagentur ANSA zufolge aus dem Innenministerium.

"Wir haben Kontakte zu den Franzosen aufgenommen, wir verlangen Respekt und Vernunft", hieß es am Donnerstag. Innenminister Salvini hatte in den vergangenen Monaten immer wieder Grenzübertritte der französischen Polizei auf italienischen Boden beklagt. Er rief EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf, sich für ein Ende dieser Grenzübertritte einzusetzen.

Ein weiterer Zankapfel ist der Bau der Bahntrasse Turin-Lyon (TAV). Das milliardenschwere Infrastrukturprojekt sorgt seit Monaten für Spannungen in der Regierungskoalition in Rom. Während die rechte Lega auf dem Projekt beharrt, hält es die populistische Fünf-Sterne-Bewegung für zu teuer und angesichts der heutigen Verkehrsströme für nutzlos. Das alpine Susa-Tal, durch das die Trasse verlaufen soll, sei schon jetzt vom Transitverkehr arg geplagt, argumentiert die Fünf-Sterne-Bewegung. Frankreich macht Druck für den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke, für die die EU bereits 813 Mio. Euro zur Verfügung gestellt hat.

(APA)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.