Slowakei: Der Rubel rollt wieder

Slowakei Rubel rollt wieder
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Wirtschaftskooperationen in der Höhe von mehreren Millionen Euro wurden in der Vorwoche am Rande des Besuchs des russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew in der Slowakei beschlossen.

Bratislava. Wirtschaftskooperationen in der Höhe von mehreren Millionen Euro wurden in der Vorwoche am Rande des Besuchs des russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew in der Slowakei beschlossen. Für Österreich interessant sind dabei vor allem die Perspektiven für den Ausbau der russisch-ukrainischen Breitspureisenbahn, die derzeit in der Ostslowakei endet, nach Wien. Opposition und Medien in der Slowakei standen dem Großprojekt bisher mehr als skeptisch gegenüber. Schließlich würde der große Umladebahnhof im ostslowakischen Cierna nad Tisou damit seine Rolle als wichtiger Arbeitgeber in der strukturschwachen Ostslowakei verlieren. Nun kommt Russland der Slowakei aber entgegen: Die slowakische Firma Tatravagonka erhält einen umfangreichen und noch großzügig erweiterbaren Lieferauftrag von zweitausend geschlossenen und mehreren hundert offenen Güterwaggons – selbstverständlich in der Breitspurversion – für die russische Eisenbahn.

Im Weiteren könnten Bestellungen von tausenden zusätzlichen Waggons folgen. So nebenbei wurden auch noch kleinere Eisenbahn-Ausrüstungsaufträge für die russische Bahn an die Slowakei vergeben. Passend dazu wurde in der Vorwoche ein Vertrag mit der Beratungsfirma Roland Berger über eine Machbarkeitsstudie über den Ausbau der Breitspureisenbahn unterzeichnet.

Die ÖBB, für die das Projekt ursprünglich keine hohe Dringlichkeit hatte, waren schon früher damit geködert worden, dass die Planungsgesellschaft der vier Eisenbahngesellschaften (Russland, Ukraine, Slowakei, Österreich) ihren Sitz in Wien hat.

Wenig Freude gibt es in Österreich darüber, dass im Rahmen des Besuchs des russischen Präsidenten auch ein Liefervertrag über russische Uranbrennstäbe für die in Bau befindlichen Reaktorblöcke drei und vier des Atomkraftwerks Mochovce unterzeichnet wurde.

Russland kündigte außerdem an, Geld in das Zyklotron-Projekt in einem Vorort von Bratislava zu investieren. Dort ist eine Art „kleines Cern“ im Entstehen, das aber nicht nur mit dem zuletzt in den Medien weltweit gefeierten größten Teilchenbeschleuniger in der Schweiz konkurrieren, sondern auch der Wissenschaft medizinisch verwertbare Erkenntnisse liefern soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.04.2010)

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