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Cornwall wird überschätzt

Gott hab sie selig, Rosamunde Pilcher, die Autorin, die jüngst 94-jährig starb.

Gott hab sie selig, Rosamunde Pilcher, die Autorin, die jüngst 94-jährig starb. Ihre romantischen Storys zwangen Millionen, gerade im deutschsprachigen Raum, Taschentücher unter die Äuglein, und ihre Heimat, die Grafschaft Cornwall an Englands Südwestspitze, hat sie idyllisch-pastellig beschrieben. Kitsch? Why not! Es muss und soll nicht immer Houellebecq oder Menasse sein.

2018 waren wir im Sommerurlaub zehn Tage in Cornwall. Wir hatten ein Steinhäuschen auf einer Hochebene bei Penzance ganz im Westen. Ich kannte einen Navy-Admiral von dort. Ah, schöne Gegend, grün gewellt, rau, Klippen, steinzeitliche Bauten, der Bub sprach von der Kanzel der normannischen Kirche in Zennor, wo in einen Sessel eine Meerjungfrau geschnitzt ist. Das Problem aber war: Die Landschaft ist großteils von hohen, buschüberwucherten Mauern zerteilt, dazwischen enge Straßen, man sieht vom Auto oft die Gegend nicht, es ist wie zwischen Lärmschutzwänden. Die Orte sind überlaufen, speziell von D-Touris, Sorte alternativ, bio, Psychologen und solche, die dort gern malen täten, ein Atelier führen oder sich sonst selbst finden. Und die verklärt bis melancholisch schauen. In Devon, Sussex, Kent oder Cumbria ist's entspannter, und mindestens so schön. Oder erst in Wales! Egal. Denn Britannia, ob du gehst oder nicht: Unsere Herzkönigin bist du forever!

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2019)