Song Contest 2019

Wer Italiens schönstes Lied singt, darf nicht Mahmoud heißen

Der Sänger Mahmood.
Der Sänger Mahmood.(c) Imago

SubtextDass der Sanremo-Sieger ägyptischer Abstammung ist, sorgt für politische Kontroverse. Denn das „Volk“ stimmte anders als die Jury-„Elite“.

Aus der Fernsicht ahnungsloser Alpenländer geht es in Sanremo nur darum, den italienischen Beitrag zum Song Contest auszusuchen. Also ein Non-Event. Den Italienern aber gilt das Schlagerfestival im ligurischen Badeort als ehernes Monument ihrer Nationalkultur. Eine Woche lang reden sie über nichts anderes, nicht einmal über Fußball. Hier vermählen sich für sie holde Kunst und gesellschaftlicher Glanz, als ginge es nicht um Schnulzen, sondern die Salzburger Festspiele. Aber man rümpfe nicht die Nase: Zu den besten Zeiten der Veranstaltung, in den 60er-Jahren, waren auch Gäste wie Udo Jürgens oder Cher dankbar, wenn sie dort mit italienischen Partnern im Duett auftreten durften. Doch längst sind die heimischen Goldkehlchen beim „Festival della canzone italiana“ unter sich. In Zeiten wie diesen löst es dann eine gewaltige politische Polemik aus, wenn ein gewisser Mahmood den Sieg davonträgt. Der Künstlername retuschiert nur leicht, eigentlich heißt er Alessandro Mahmoud. In Mailand geboren, „zu 100 Prozent ein ragazzo italiano“, wie er beteuert. Aber im selbst geschriebenen „Marokko-Pop“-Song geht es nicht wie gewohnt um Sole, Cuore und Amore, sondern um seine Jugend (schwierig) und die Beziehung zum Vater (noch schwieriger). Letzterer ist Ägypter. Und als ob das nicht fremdländisch genug wäre, streut Mahmood in „Soldi“ auch noch Phrasen auf Arabisch ein, erwähnt Shisha und Ramadan.

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Piano Position 1