Kasachstan
Die Strahlen der Vergangenheit
Über 450 Atombombentests fanden von 1949 bis 1989 am früheren sowjetischen Testgelände in Ostkasachstan, 150 Kilometer von der Großstadt Semipalatinsk entfernt, statt. Die Bewohner der Region leiden noch heute an den Folgen.Eine Fotoreportage von Jutta Sommerbauer ("Die Presse")
(c) Die Presse (Jutta Sommerbauer)
Das Gelände wurde 1991 auf Geheiß des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew geschlossen. Seither ist Kasachstan Atomwaffen-frei. Vergangene Woche wurde auf dem früheren "Ground Zero" UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon erwartet.
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Ban Ki-Moon wurde in einem Helikopter in das 18.000 Quadratmeter große Gelände geflogen.
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Auf dem ehemaligen "Ground Zero" warb der UN-Generalsekretär für ein Verbot von Atomwaffen.
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Der Generaldirektor des kasachischen Nationalen Nuklearzentrums, Kairat Kadyrzhanov (links), erklärt Ban Ki-Moon und dessen Frau, wo früher Atombomben gezündet wurden. Rund 1,5 Millionen Menschen haben gesundheitliche Schäden von der radioaktiven Strahlung davon getragen.
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Festlicher Empfang in kasachischer Tracht.
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Das frühere Testgelände aus der Vogelperspektive.
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Am Rande des früheren Testgeländes liegt die Kleinstadt Kurtschatov. Sie ist nach dem "Vater der sowjetischen Bombe", Igor Kurtschatov, benannt. Früher lebten hier viele Nuklearforscher mit ihren Familien.
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Heute ist Kurtschatov eine Geisterstadt. Von rund 50.000 Einwohnern ist nur ein Fünftel geblieben. Viele Häuser stehen leer, die Fenster sind vernagelt.Kairat Kadyrzhanov, Direktor des Nuklearzentrums, sagt, dass fünf Prozent des ehemaligen Testgeländes noch immer "schwer verstrahlt" seien.
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Denkmal für Atombombenbauer Igor Kurtschatov auf dem Hauptplatz des Städtchens.
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Ein nachgebautes Modell des Versuchsfeldes auf dem Testgelände. In der Mitte steht der Turm mit der Bombe. Rundherum wurden Häuser, Flugzeuge, Tiere, etc. aufgestellt. Nach der Explosion untersuchten Forscher die Schäden bzw. Auswirkungen auf Dinge und Tiere.
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Von diesem Platz aus wurde die Bombe gezündet.
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Sergej Lukaschenko, Direktor des Instituts für Strahlensicherheit und Ökologie in Kurtschatov. Er will, dass das frühere Testgelände ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen wird - als "Erinnerung für die Menschheit".
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Das Institut für Strahlensicherheit - dort ist auch ein Museum untergebracht - von außen.
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In Kurtschatov wird auch heute noch Nuklearforschung betrieben.Im Bild: Ein Versuchsreaktor.
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Auf dem Weg in die 150 Kilometer entfernte Großstadt Semipalatinsk: Hirte mit seiner Viehherde.
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Über den auch Anfang April teilweise noch gefrorenen Fluss Irtysch geht es ins Stadtzentrum von Semipalatinsk.
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Denkmal des kasachischen Nationaldichters Abai.
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Das Dostojewski-Museum. Der russische Literat Fjodor Dostojewski verbrachte fünf Jahre in Semipalatinsk nach seiner Entlassung aus dem Straflager.Seine Erlebnisse verarbeitete er in seinem Buch "Aufzeichnungen aus einem Totenhaus".
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Denkmal für die Opfer der Atombombentests am Rande von Semipalatinsk.
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Daneben steht ein "Zauberbaum": Wenn man einen Stofffetzen an seinem Ast anbringt, geht ein Wunsch in Erfüllung, so der Volksglaube.
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Ein Mosaik in der Medizinischen Universität. Noch heute ist die Krebsrate in der Region um einiges höher als anderswo in Kasachstan.
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Frauenchor in einem Pensionistenheim. Die meisten Bewohner der Stadt haben persönliche Erinnerungen an die Explosionen.
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Valentina Sochkova war 20 Jahre alt, als sie die Explosion einer Atombombe erlebte: "Ich stand gerade an meinem Arbeitsplatz in der Fleischfabrik, als die Erde bebte. Das war im Sommer 1954. Sieben Jahre später fielen mir alle Zähne aus."
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Der kleine Timur (links hinten) kam mit einem Geburtsfehler auf die Welt; dennoch erhält er keine Invalidenrente. Die NGO-Mitarbeiterin Gulzyhan Zhumataeva (rechts) unterstützt die Familie.
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Semipalatinsk versucht sich von seiner drückenden Vergangenheit zu befreien. Doch auch die jungen Menschen hier wissen um das schwierige Strahlen-Erbe."Viele junge Paare haben Angst, Kinder zu bekommen", erzählt Nadira, eine 20-jährige Studentin.
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