Schnellauswahl

Staatsholding Öbag geht an den Start: "Sanitäter" an der Spitze

++ HANDOUT ++ OeBAG: HELMUT KERN
Helmut KernAPA/KH DER BARMHERZIGEN BRÜDER/LUDWIG SCHEDL

Helmut Kern, Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, wird Aufsichtsratschef. Seine Stellvertreter sind der FPÖ-nahe Unternehmer Karl Ochsner und der frühere Hofer-Chef Günther Helm.

Am Freitag konstituierte sich nach langen Wehen der Aufsichtsrat der neuen Staatsholding Öbag. Wie die "Presse" bereits vorab berichtete, wird Spitalsmanager Helmut Kern Chef des Kontrollgremiums.  Die Öbag soll laut Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) ein "aktives Beteiligungsmanagement" betreiben. Privatisierungen würden nicht angestrebt. Die Funktion des Vorstands wurde gemäß Stellenbesetzungsgesetz ausgeschrieben. Der Aufsichtsrat hat einen interimistischen Vorstand für die Öbag bestellt. Wie schon bei der Öbib übernehme Prokurist Walter Jöstl diese Funktion, so das Finanzministerium.

Viel wurde über die Zusammensetzung des Gremiums im Vorfeld spekuliert. Am Ende hievte Finanzminister Löger ein in der Öffentlichkeit unbeschriebenes Blatt an die Spitze des Kontrollgremiums: Den 54-jährigen Helmut Kern. Er ist Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Wien. Kern blickt auf eine lange Karriere als Unternehmensberater zurück, war Global Partner bei Deloitte sowie Head of Consulting bei PwC.

Der Vater von erwachsenen Zwillingsschwestern ist zudem stellvertretender Vorsitzender des Universitätsrats der Uni Wien.
Seine beiden Stellvertreter sind hingegen keine Überraschung – außer, dass sie beide ebenfalls Männer sind. Mit dem oberösterreichischen Unternehmer Karl Ochsner bringt sich die FPÖ im Öbag-Aufsichtsrat in Stellung. Der Wärmepumpen-Unternehmer ist Trauzeuge von Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

Zweiter Stellvertreter ist mit Günther Helm ein Topmanager, dem ein sehr gutes Verhältnis zu Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nachgesagt wird. Helm war bis vor Kurzem Chef des Diskonters Hofer und wird demnächst die Leitung der deutschen Drogeriekette Müller übernehmen. Detail am Rande: Auch Helm ist jüngst Vater von Zwillingen geworden. Offizielle Bestätigung aus dem Finanzministerium gab es vorerst keine.

Ex-Kathrein-Chefin in Öbag

Drei Männer werden also das neunköpfige Gremium leiten. Ursprünglich sollte auf ausdrücklichen Wunsch der Regierung eine Frau Aufsichtsratspräsidentin werden. Und tatsächlich war PwC-Seniorpartnerin Christine Catasta bereits so gut wie fix, doch sie sprang in letzter Sekunde ab. Der Job sei mit ihrer Funktion bei PwC nicht vereinbar, hieß es. Schon zuvor hatte auch Casinos-Vorständin Bettina Glatz-Kremsner abgesagt. Und so kam es schließlich, dass Frauen im neuen Gremium eine Nebenrolle spielen. Fest steht, dass die Bankerin Susanne Höllinger im Aufsichtsrat Platz nehmen wird. Sie war bis vor Kurzem Vorstandschefin der Kathrein Privatbank. Zuvor leitete sie das Private Banking in der Erste Bank.

Der Aufsichtsrat setzt sich aus sechs Kapital- und drei Arbeitnehmervertretern zusammen. Letztere werden von OMV, Post und Telekom besetzt. Bei den zwei weiteren von der Regierung bestellten Kontrolloren soll es sich unbestätigten Quellen zufolge um Iris Ortner (Ortner Gruppe) und den Strabag-Manager Christian Ebner handeln.

Die Öbag löst die als zahnlos geltende Öbib ab. Mit der neuen Struktur will der Staat wieder mehr Einfluss auf jene Unternehmen haben, an denen er beteiligt ist. Also bei der Post (52,85 Prozent Staatsanteil), OMV (31,5), Telekom Austria (28,42) und Casinos Austria (33,24). Auch die Bundesimmobiliengesellschaft BIG (100) und der Verbund (51) werden in die Öbag integriert.

InlineBild (74427be9)

Anmerkung: Der Artikel wurde am Freitagvormittag nach offizieller Stellungnahme der Öbag aktualisiert.