Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas finden am Samstag Präsidenten- und Parlamentswahlen statt. Der gesundheitlich geschwächte Staatschef, Buhari, muss um die zweite Amtszeit bangen. Experten warnen vor Wahlbetrug.
Wien/Abuja. Der Zeitpunkt des Angriffs war nicht zufällig gewählt. Wenige Tage vor den Präsidenten- und Parlamentswahlen in Nigeria machte der Ableger der IS-Terrormiliz in Westafrika mit einem Mordanschlag auf den Gouverneur des Bundesstaats Borno auf sich aufmerksam. Jedenfalls reklamierte die Gruppe, eine Abspaltung der Terrorgruppe Boko Haram, die Attacke am Donnerstag für sich. Der Gouverneur blieb zwar unverletzt, aber es gab mehrere Tote. Eine Erinnerung an den amtierenden Präsidenten, Muhammadu Buhari, dass der Terror im Nordosten des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas noch lang nicht besiegt ist.
Dabei war Buhari vor vier Jahren genau mit diesem Versprechen angetreten – dem Wüten der islamistischen Terroristen ein Ende zu bereiten und die Korruption zu bekämpfen. Er hielt es nicht annähernd. Heute, vier Jahre später, strebt er eine zweite Amtszeit an. Aber es könnte ein knappes Rennen werden, das am Samstag wohl zwischen Buhari und seinem großen Rivalen, Atiku Abubakar, entschieden wird. Die Euphorie, die sich nach Buharis Wahlsieg 2015 breitgemacht hatte, verflog längst. Der Präsident, der Monate im Krankenstand in London verbrachte und die Regierungsgeschäfte seinem Stellvertreter überließ, wirkt zudem energielos und geschwächt. Viele fragen sich, warum der 76-Jährige sich eine zweite Amtszeit überhaupt antun will.
Dabei ist die Alternative für viele Wähler nicht unbedingt attraktiver. Niemand weiß, wie „Atiku“ so reich geworden ist. Wegen Geldwäscheverdachts durfte der ehemalige Vizepräsident in die USA lang nicht einreisen. Im Wahlkampf verspricht er nun, die Wirtschaft anzukurbeln. Schließlich erlebte Nigeria 2016 eine katastrophale Rezession, von der sich das Land nur langsam erholt.
Warnung vor Wahlbetrug
Dass Buhari Ende Jänner den Präsidenten des Obersten Gerichts austauschte, wurde als Vorbereitung auf mögliche Wahlstreitigkeiten interpretiert. Sie müsste das Gericht entscheiden. Zwar bewerben sich 71 weitere Kandidaten, aber sie gelten fast alle als chancenlos. Betrugsvorwürfe gibt es gegen die Parteien beider Favoriten; Experten warnen bereits vor Wahlbetrug. Nur ein Faktor spielt diesmal keine Rolle: die Religion. Buhari und Abubakar sind beide Muslime vom Fulani-Volk.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2019)