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Die Wiener Festwochen sind nach karger Zeit etwas üppiger

Intendant Christophe Slagmuylder.
Intendant Christophe Slagmuylder.(c) imago/SKATA (imago stock&people)
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Die erste Saison des Intendanten Christophe Slagmuylder bringt zehn Uraufführungen. Eine wilde Mischung von vertraut und neu.

Auch unter ihrem neuen Intendanten wagen sich die Wiener Festwochen kurz an die Peripherie, diesmal ist es Transdanubien: Nach der Eröffnung auf dem Rathausplatz am 10. Mai wird die Donaustadt fürs Wochenende zum Kulturzentrum. Am Rande also soll die tiefere Bedeutung des Stadt-Festivals ergründet werden, wie Christophe Slagmuylder bei der Vorstellung des Programms am Donnerstag im Studio Molière durchblicken ließ. Passende Schlagworte finden sich ebenfalls im Vorwort zum Programmheft: Ein Raum für Imagination und Widerspruch sei das Festival, Wien solle nicht abgeschottet, sondern offen und zugleich ein Anker sein, eine Weltstadt, die sich mit Migration und wechselnden Identitäten beschäftige.

Der Brüsseler Kulturmanager hatte die Leitung der Festwochen Mitte des Vorjahres nach dem vorzeitigen Abgang seines Vorgängers interimistisch für eine Saison übernommen (inzwischen ist er bis 2024 als Intendant bestellt). Slagmuylders erstes Programm ist weit üppiger, eine wilde Mischung von vertraut und neu: Bis 16. Juni sind 45 Produktionen aus 19 Ländern geplant, zehn davon Uraufführungen. Zirka 430 KünstlerInnen wirken mit. 45.000 Karten werden aufgelegt.

Ein Ausflug in die Donaustadt

Am 11. Mai ist in der Donaustadt „Diamante“ geplant. Fünfeinhalb Stunden dauert die 2018 bei der Ruhrtriennale uraufgeführte Inszenierung des Argentiniers Mariano Pensotti in der Wiener Eissporthalle. Im 22. Bezirk gibt es zudem an den zwei Tagen Performances der Norwegerin Mette Edvardsen, der polnisch-kanadischen Choreografin Ula Sickle, der Belgierin Sarah Vanhee, der Marokkanerin Bouchra Ouizguen und der Brasilianerin Alice Ripoll. Einige Aufführungen wandern danach stadteinwärts. Es wird diesmal an insgesamt 27 Orten gespielt.

Der Reigen der Uraufführungen wird noch im 22. Hieb mit „Beat House Donaustadt“ von der in Wien lebenden Deutschen Anna Witt eröffnet (11. 5.), tags darauf im Museumsquartier mit „3 Episodes of Life“ des Schweden Markus Öhrn fortgesetzt. Im Schauspielhaus gibt es brandneu „Phantom Beard“ der Kuwaiterin Monira Al Qadiri zu sehen (17. 5.). Wie gewohnt im Akademietheater zeigt der Deutsche René Pollesch seine Novität: „Deponie Highfield“ (24. 5.), im Volkstheater führt am selben Tag der Berliner Regisseur Ersan Mondtag das „Hass-Triptychon“ der Deutsch-Schweizerin Sibylle Berg auf. Ein Auftragswerk der Festwochen ist „Missing People“ des Ungarn Béla Tarr im Museumsquartier (12. 6.). Dort wird auch das Musiktheater „Narziss und Echo“ uraufgeführt (13. 6.), das der Ungar David Marton frei nach Ovid geschaffen hat. In den Gösserhallen ist erstmals „Pneuma“ zu sehen (14. 6.), ein vielschichtig-kollektiver Akt des Brüsseler Ensembles Ictus.

Isabelle Huppert als Mary Stuart

Als Auftragswerk erneuert wurde „LAX Bar“ (29. 5.) von vier Künstlerinnen aus Österreich und Deutschland, die einst in Los Angeles die Loos-Bar in Miniatur nachgebaut haben. Eine Neufassung ist auch „Matadouro live“ (5. 6.) des Brasilianers Marcelo Evelin mit dem Hugo-Wolf-Quartett. Altbewährt sind hingegen „Apart-ment“ des Iraners Keyvan Sarreshteh (13. 5.), „Bacantes“ von Marlene Monteiro Freitas aus Kap Verde (18. 5.), „Proces“ des Polen Krystian Lupa (19. 5) und „Five Days in March“ des Japaners Toshiki Okada (28. 5.) Auch Altmeister wie der Italiener Romeo Castellucci mit „La vita nuova“ (29. 5.), der Amerikaner Robert Wilson mit Isabelle Huppert als Stuart-Queen in „Mary Said What She Said“ (30. 5) und die Belgierin Anne Teresa De Keersmaeker mit „Sechs Brandenburgischen Konzerten“ (3. 6.) machen Wien wieder einmal ihre Aufwartung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2019)