Kurz, Hofer & Co. auf dem Japan-Trip

Sebastian Kurz und Shinzō Abe bei der offiziellen Begrüßung in Tokio. Der Bundeskanzler besucht heute Hiroshima und die Gedenkstätte für die Opfer des US-Atomangriffs 1945. Beide Regierungschefs traten für eine atomwaffenfreie
Sebastian Kurz und Shinzō Abe bei der offiziellen Begrüßung in Tokio. Der Bundeskanzler besucht heute Hiroshima und die Gedenkstätte für die Opfer des US-Atomangriffs 1945. Beide Regierungschefs traten für eine atomwaffenfreie(c) APA/HARALD SCHNEIDER (HARALD SCHNEIDER)

Bundeskanzler Sebastian Kurz eröffnete in Tokio einen ganzen Reigen von Besuchen österreichischer Politiker in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Tokio. Asimo ist 50 Kilo schwer, hat eine Kinderstimme und einen Hartplastikpanzer, spricht Englisch und Japanisch, beherrscht die Gebärdensprache und kann laufen. Mit seinen 130 Zentimetern ist er gerade groß genug, um das Licht in einer Wohnung einzuschalten. Der kleine Roboter ist der Star der Präsentation von Honda-Chef Takahiro Hachigo für Österreichs Bundeskanzler, Sebastian Kurz (ÖVP), und Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) in Tokio.

In keinem anderen Land der Welt spielen Roboter bereits eine solche Rolle wie in Japan. Sieht so die Zukunft einer alternden Gesellschaft aus? Eine Mehrheit der Japaner kann sich inzwischen vorstellen, von den sprechenden Maschinen gepflegt zu werden.

Von derzeit 126 Millionen auf 100 Millionen wird die Einwohnerzahl in den kommenden Jahrzehnten wohl sinken. Das ist die Zielmarke. Migration ist trotzdem noch immer kein großes Thema. Gerade einmal 50.000 Arbeitsmigranten sollen ins Land gelassen werden – ohne Familienzusammenführung. Die Japaner wollen lieber unter sich bleiben.

Im Eiltempo führt der japanische Premier, Shinzō Abe, die österreichische Delegation durch seine Residenz. Er widmet sich seinen Gästen mehr als zwei Stunden, doch Zeit zu verlieren hat er keine. „Während sich der Protektionismus ausbreitet, sind wir die Fahnenträger des Freihandels“, sagt Abe in einem Anflug von Pathos. Gerade einmal einen halben Monat ist Jefta in Kraft, das neue Abkommen Japans mit der EU. Die größte Freihandelszone der Welt ist dadurch entstanden, für insgesamt 635 Millionen Menschen. Zölle und andere Handelshemmnisse sollen von nun an fast vollständig abgebaut werden.

Japan erhofft sich viel davon. Seit einem Vierteljahrhundert schon wächst die Wirtschaft kaum oder nur kurzfristig. Stagnation ist das Leitmotiv. Das Einzige, was wirklich boomte, waren die Staatsschulden, die allerdings größtenteils Japaner selbst halten.

 

Großes Potenzial vorhanden

Abe brachte neuen Schwung, den das Freihandelsabkommen Jefta nun verstärken könnte. Das ist auch für Österreichs Wirtschaft eine Riesenchance. Mehr als 3,5 Milliarden Euro beträgt das rot-weiß-rote Handelsvolumen schon. Kurz sieht noch großes Potenzial. Es ist ein idealer Zeitpunkt, um näher heranzurücken an die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Japan und Österreich feiern heuer das 150-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen. Kurz leitet einen wahren Besuchsreigen ein. Am 23. März schon wird Außenministerin Karin Kneissl in Tokio erwartet, am 22. Oktober Bundespräsident Alexander van der Bellen. Er soll an den Feiern teilnehmen, die an diesem Tag zu Ehren des neuen Kaisers abgehalten werden. Kronprinz Naruhito wird bereits am 1. Mai den Chrysanthementhron besteigen, doch die Party steigt erst später.

Kurz hat in Tokio außer Hofer auch Bildungsminister Heinz Faßmann im Schlepptau. Faßmann bespricht mit dem japanischen Wissenschaftsminister ein Kooperationsabkommen. Hofer erkundigt sich bei seinem Amtskollegen über Möglichkeiten, Wasserstoffenergie zu speichern. Bis zu den Olympischen Spielen will Japan alle öffentlichen Busse auf Wasserstoff umgestellt haben.

Kurz hat Gelegenheit, den bald 59-jährigen Kronprinzen Naruhito bei einer Audienz in dessen Residenz kennenzulernen. Zum Plaudern. Politische Themen will und darf der Kronprinz nicht anschneiden. Alles hat seine penible Ordnung in diesem widersprüchlichen Land der Tradition und der Hochtechnologie, des Stillstands und der Dynamik. Spontaneität und Überraschungen sind unerwünscht. Alles scheint seinen Platz zu haben, bis ins letzte Detail geplant, auch der Besuch von Kurz bei Abe.

 

Als Rucksacktourist in Japan

Und doch kommen die beiden locker ins Gespräch. Kurz erzählt, wie er mit 18 Jahren drei Wochen lang mit Freunden als Rucksacktourist Japan bereist hat. Abe gibt Tipps für den Umgang mit Trump, den Kurz nächste Woche im Weißen Haus treffen wird. Und er nimmt die Einladung an, demnächst nach Österreich zu kommen, am liebsten zu den Salzburger Festspielen.

Abe warnt ausdrücklich vor einem No-Deal-Brexit. In Zeiten der amerikanischen Abschottung sucht Japan die Nähe zu Europa – und umgekehrt. Vor zwei Wochen erst war die deutsche Kanzlerin, Angela Merkel, zu Gast.

Vor den Medien betonen Abe und Kurz die Gemeinsamkeiten ihrer Länder, den Kampf für eine atomwaffenfreie Welt, für Demokratie und Multilateralismus. Kurz verspricht, sich dafür einzusetzen, dass Nordkorea die entführten japanischen Geiseln freilässt, die es seit den 1970er-Jahren festhält – für Abe das „wichtigste“ Thema.