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Hausgeschichte

Wohnbau für ein Autohaus

Was tun, wenn Fachkräfte rar sind? Das Salzburger Unternehmen Lindner hat eine alte Idee neu umgesetzt und ein Haus für seine (zukünftigen) Mitarbeiter gebaut.

Wir haben uns schon länger mit dem Gedanken getragen, ein Wohnhaus für unsere Mitarbeiter zu bauen“, erzählt Manfred Lindner, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Wals-Siezenheim in Salzburg. „Denn gute Kräfte zu bekommen und zu halten, ist generell schwierig. Und dazu kommt, dass manche unserer Mitarbeiter einen sehr langen Anfahrtsweg haben, den sie sich nicht mehr antun wollen, und Wohnungen bei uns in der Gegend nicht nur rar, sondern auch teuer sind.“

Um die Idee umsetzen zu können, mangelte es aber lange Zeit an einem leistbaren Grundstück – und so ließ man sich die Gelegenheit nicht entgehen, als man kürzlich doch fündig wurde.

 

Funktionelles Gebäude

Nach rund 15 Monaten Bauzeit ist das Haus nun fertig gestellt. „Die Vorgabe des Bauherrn war ein funktionelles Gebäude mit leistbaren Wohneinheiten, das auch energietechnisch auf dem letzten Stand sein sollte“, erklärt Thomas Kuss, Geschäftsführer des Unternehmens Viktoria Bau, das mit dem Vorhaben betraut wurde.

Man entschloss sich zu einer Massivbauweise, die Zwischenwände wurden als Trockenbau ausgeführt. Auf dem Dach gibt es eine Fotovoltaikanlage zur Stromerzeugung, und ein Luft-Wärme-Pumpsystem sorgt für die nötige Heizenergie. Auf rund 455 m2Wohnnutzfläche sind acht Wohnungen untergebracht, sechs Zwei-Zimmer-Wohnungen mit rund 55 m2 und im Dachgeschoß zwei Drei-Zimmer-Wohnungen mit je 64 m2. Große Kellerabteile und ein Lift, der Barrierefreiheit ermöglicht, vervollständigen den Bau.

Die Wohneinheiten im Dachgeschoß verfügen über eine eigene Terrasse mit rund 30 m2, die Wohnungen im Erdgeschoß haben einen eigenen Garten, alle anderen einen großen Balkon. Im Garten steht ein großer, allgemein benutzbarer Spielplatz, Autos finden in einer Tiefgarage mit 13 Stellplätzen und einem Parkplatz für sieben Autos Platz.

 

Smarte Energiekosten

„Wir haben uns für Fußbodenheizung und passive Wohnraumbelüftung in Bad, Küche und WC entschieden, um die Vorgaben des Bauherrn nach niedrigen Betriebskosten zu erfüllen“, erklärt Kuss. „Das heißt, es ist nicht mehr notwendig, die Fenster zu öffnen, die Luft wird über einen Außenventilator ausgetauscht, der von einem Gerät, das die Luftfeuchtigkeit misst, gesteuert wird. Das spart Heizkosten.“

Eingerichtet sind die Wohnungen – wie in den meisten Mietobjekten üblich – mit vollständiger Küche und Sanitärausstattung im Bad. Ansonsten sollen sich die Mieter selbst einrichten können, „die eigenen Möbel mitzubringen und sich nach eigenem Geschmack einzurichten ist ja eigentlich selbstverständlich“, meint Kuss.
Vier Wohnungen sind bereits bezogen: Zwei Mechaniker, eine Buchhalterin und ein Haustechniker haben das Angebot ihres Arbeitgebers angenommen.

„Die Mietpreise orientieren sich zwar an den aktuellen Marktpreisen, aber durch die Energietechnik sind die Betriebskosten sehr niedrig und die Mitarbeiter haben nur einen Fußweg von rund 300 Metern zu ihrem Arbeitsplatz. Wir möchten damit langjährige, wichtige Mitarbeiter noch enger an uns binden“, erzählt Lindner.
Mit den vier noch leer stehenden Wohnungen hofft man, für qualifiziertes Personal attraktiv zu sein. „Wir sind zurzeit auf der Suche nach Spenglern und Mechanikern und bauen darauf, dass sich durch das Wohnangebot auch gut ausgebildete Fachkräfte aus weiter entfernten Bezirken bei uns bewerben“, präzisiert Lindner die Intentionen seiner Firma.

Die Mietverträge hat man im Moment auf drei Jahre abgeschlossen. Was passiert, wenn ein Mitarbeiter, der dort wohnt, die Firma verlässt, „darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Aber da werden wir sicher eine für alle akzeptable Lösung finden“, ist Lindner überzeugt. Sollte sich das System bewähren, wäre es für Lindner durchaus denkbar, ein weiteres Haus zu errichten. „Es wird allerdings schwierig sein, ein weiteres passendes, in unmittelbarer Nähe liegendes Grundstück zu finden, das eben auch leistbar ist“, denkt Lindner bereits an die Zukunft.

ZUM OBJEKT, ZUM ORT

Arbeiterwohnungen und Werksiedlungen wurden meist im Zuge der Industrialisierung für die Arbeitenden gebaut, später auch oft für Mitarbeiter von Spitälern oder anderen öffentlichen Einrichtungen. Das Objekt in Wals-Siezenheim wurde 2018 errichtet.

Baugrundstücke für Wohnhäuser kosten im Bezirk Salzburg-Land zwischen 159,6 und 577,4 Euro/m2, Grundstücke für Betriebsansiedlungen zwischen 111,4 und 271,4 Euro/m2, Mietwohnungen zwischen 7,1 und neun Euro/m2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2019)