Raiffeisen zeigt Interesse an polnischer Bank

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Institute aus ganz Europa fühlen bei der BZ WBK vor – doch die Gespräche sind erst am Anfang.

wien (mar/red.). Polen hat die Wirtschaftskrise bisher besser gemeistert als die meisten anderen Staaten der EU. Das Land war 2009 nicht zuletzt dank des schwachen Zloty von einer Rezession weit entfernt, auch die Banken Polens stehen heute besser da als das Gros ihrer europäischen Mitbewerber. Bietet sich hier derzeit eine Gelegenheit zum Kauf, ist daher das Interesse groß – genau das zeigt das Beispiel der polnischen Bank Zachodni (BZ) WBK.

„Ein Juwel in unserer Krone“

Die nach Marktkapitalisierung drittgrößte Bank Polens gehört zu 70 Prozent der Allied Irish Bank (AIB). Dieses Finanzhaus wiederum ist derzeit schwer angeschlagen. Nach einer milliardenschweren Rettung durch den Staat muss AIB 7,4 Mrd. Euro frisches Kapital besorgen, fünf Mrd. sollen aus dem Verkauf von Beteiligungen stammen. Im März gab AIB bekannt, ihre Anteile an der BZ WBK abzustoßen. Anfang April bekundete BZ-WBK-Chef Mateusz Morawiecki, inzwischen stünden die Interessenten Schlange. Er rechne nicht damit, dass der Käufer aus Polen komme.

Unter den Interessenten ist laut eines Berichts des „Wirtschaftsblatt“ auch Raiffeisen International (RI), die an der Wiener Börse notierte Osttochter der Raiffeisen-Gruppe. „Wir schauen uns die Bank an“, wird RI-Sprecher Michael Palzer zitiert. Allerdings sei offen, wie RI die Übernahme finanzieren könnte. Die gesamte BZ WBK sei rund 4,1 Mrd. Euro wert, der Anteil der Iren belaufe sich auf 2,9 Mrd. Euro. Weil allerdings das angebotene Aktienpaket auf großes Interesse stößt, könnte der Preis auf 3,1 Mrd. Euro steigen.

AIB betont schon einmal vorsorglich die Qualitäten ihrer polnischen Tochter – und nennt sie „ein Juwel in unserer Krone“. Tatsächlich haben neben Raiffeisen auch die Deutsche Bank, die französischen Institute Société Générale und BNP Paribas, die Bank-Austria-Mutter UniCredit, Banco Santander aus Spanien und Rabobank aus den Niederlanden ihr prinzipielles Interesse bekundet.

Noch keine Angebote

Allerdings täuscht der Eindruck, der Wechsel der Mehrheitsverhältnisse bei der BZ WBK stünde unmittelbar bevor. Zwar gestand AIB gegenüber der „Sunday Times“, man wolle den Deal so schnell wie möglich über die Bühne bringen, um einer vollständigen Verstaatlichung zu entgehen. Doch der Zeitplan sieht vor, dass man „bis Ende September“ einen geeigneten Verhandlungspartner finden wolle. Das heißt: Derzeit läuft die erste Phase im Verkauf einer Bank. Erst danach gehen die Interessenten dazu über, ein Angebot zu legen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2010)

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