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Huawei-Österreich-Chef Pan Yao: "Wir werden der Anbieter mit dem größten 5G-Marktanteil sein"

Huawei-Österreich-Chef Pan Yao.APA/HANS KLAUS TECHT
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Der chinesische Telekom-Riese ist nach Spionagevorwürfen auf einer medialen Charmeoffensive - auch in Österreich. Es steht viel auf dem Spiel: Noch in diesem Monat werden die Frequenzen für den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards versteigert.

Mit einer medialen Charmeoffensive versucht der chinesische Telekom-Riese Huawei derzeit sein angekratztes Image wieder aufzupolieren. Nach Großbritannien und Deutschland war am Donnerstag Österreich an der Reihe. Gleich in Viererbesetzung rückten Manager des größten Netzanbieters weltweit an, um zu versichern: Huawei werde die Sicherheit seiner Nutzer niemals aufs Spiel setzen – selbst wenn Chinas Führung es fordern sollte.

„Die chinesische Regierung hat klar gemacht, dass sie von Huawei nicht verlangen wird, seine Kunden auszuspionieren oder technische Hintertürchen zu installieren“, sagt Pan Yao, Huawei-Österreich-Chef im Gespräch mit der „Presse“. Gründer Ren Zhengfei habe bereits klargemacht: Er schließe sein Unternehmen lieber, als Geheiminformationen an Peking Preis zu geben.

„Wir haben nichts zu verbergen“, sagte Vize-Kommunikationschef Joe Kelly zuvor bei einem Pressegespräch, das von der Austrian Chinese Business Association des heimischen China-Lobbyisten und Rechtsanwalts Georg Zanger mitveranstaltet wurde. Huawei sei transparenter als die Konkurrenz, meinte Kelly: Um Sicherheitsbedenken zu zerstreuen, biete der Konzern London seit 2005 vollen Einblick in seinen Quellcode.

In den vergangenen Wochen stand es düster rund um den Tech-Riesen: Nach dramatischen Warnungen aus Washington erwägen immer mehr Regierungen, die Chinesen aus ihren Telekommunikationsnetzen auszuschließen. Erst am Donnerstag drohte US-Außenminister Mike Pompeo, keine Informationen mit Staaten zu teilen, die Systeme des Netzausrüsters verwendeten.

„Parteizellen wie Gewerkschaft“

Denn ein 2017 beschlossenes Gesetz verpflichtet chinesische Unternehmen zur Spionage, sollten die Geheimdienste es verlangen. Und auch Befürchtungen vor einem „Kill Switch“, mit dem Huawei im Konfliktfall die ganze Kommunikationsinfrastruktur eines Landes lahm legen könnte, machten die Runde. Misstrauisch stimmen Kritiker zudem Huaweis Nähe zu Partei und Militär: Gründer Ren war Mitglied der Volksbefreiungsarmee. Staats- und Parteichef Xi Jinping lässt in jedem in der Volksrepublik tätigen Unternehmen, sei es staatlich, privat, aus dem In- oder Ausland, Parteizellen einrichten.

Dass diese Verbandelung Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen hat, weist Huawei stets zurück und betont: Man stehe zu hundert Prozent im Eigentum der Mitarbeiter. Huawei unterscheide sich in seiner Beziehung zur Regierung nicht von anderen Unternehmen auf der Welt, beteuerte Kelly: „Wir stellen Menschen ein, zahlen Steuern und beraten Regierungen.“ Den Einfluss der Parteizellen spielte er herunter: Sie seien vergleichbar mit Gewerkschaften in Europa.

Dass der zweitgrößte Smartphone-Hersteller weltweit gerade jetzt seinen Charme spielen lässt, hat einen Grund. Es steht viel auf dem Spiel: Denn um den Ausbau der neuen Mobilfunknetz-Generation 5G ist ein erbitterter ökonomischer Wettstreit ausgebrochen. Die USA setzen alles daran, die Chinesen in dem verheißenden Zukunftsmarkt auszubooten. 5G, eine Art Super-Highway für die Datenübertragung, legt den Grundstein für Technologien, die unseren Alltag beherrschen werden: von autonomen Drohnen bis hin zum Internet der Dinge, der digitalen Vernetzung von Gegenständen, das hochdigitalisierte Produktion und sogenannte „Smart Cities“ ermöglichen wird.

In 30 Prozent der Netzwerke vertreten

Die 5G-Führerschaft werden jene Staaten erlangen, die ihre Patente weltweit durchsetzen können. Die sogenannten Standards werden nächste Woche von einem internationalen Gremium in Barcelona vergeben. Sie sollen ermöglichen, dass alle Mobiltelefone in Netzwerken rund um die Welt funktionieren – und sind ein Vermögen wert. Der US-Chip-Konzern Qualcomm, der Schlüsselpatente für die bisherigen Mobilfunkgenerationen LTE, 3G und 4G besitzt, hat Milliarden an Lizenzgebühren verdient.

In Österreich aber zittert Huawei aus einem anderen Grund. Die 5G-Frequenzversteigerung soll noch im Februar stattfinden. Für die Chinesen ist wichtig, dass T-Mobile ein möglichst großes Spektrum ergattert. Der Netzbetreiber ist Huaweis größter heimischer Kunde. Drei arbeitet ausschließlich mit Huaweis heimischem Konkurrenten ZTE zusammen, A1 setzt technologisch auf das finnische Nokia.

Schon jetzt ist Huawei in 30 Prozent der Netzwerke der neueren Generation vertreten. Und trotz der internationalen Kritik geht Pan davon aus, dass Huawei hierzulande nicht vom Netzausbau ausgeschlossen wird. Im Gegenteil: „Wir werden der Anbieter mit dem größten Marktanteil sein“, sagt er der „Presse“. Gerne verweist der Netzwerkausrüster auf die Unerlässlichkeit seiner Technologie für den 5G-Ausbau – und die wirtschaftliche Zukunft Europas.

Bis zu 30 Prozent billiger

Die Angst vor Einbußen in der Wettbewerbsfähigkeit ist auch der Grund, warum die Bundesregierung Huawei nicht kategorisch ausschließen will. Um zwei Jahre würde ein Ausschluss die Etablierung von 5G verzögern, erklärt das Unternehmen. Man sei dem Mitbewerb bei den 5G-Basisstationen technologisch um ein bis zwei Jahre voraus, meint Pan.

Zudem sei Huawei-Ausrüstung um bis zu 30 Prozent günstiger als die des Mitbewerbs, sagt Kelly. Die Geräte seien energieeffizienter und kleiner. Die Betreiber sparten so Stromkosten und Miete, die für die Installation der Basisstationen an Gebäuden anfalle.

Auch abseits der 5G-Infrastruktur will Huawei seine Martkmacht ausbauen. Derzeit bewerbe man Österreich in der Shenzhener Zentrale als Standort für ein Forschungs- und Entwicklungszentrum, sagt Pan zur „Presse“. Nicht ohne der Regierung Lorbeeren zu streuen: Sie habe das Investitionsumfeld für ausländische Unternehmen verbessert.