Nichts zu lachen

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Sprechblase Nr. 279. Warum derzeit an allen Ecken kuratiert wird.

Bei den alten Römern war der curator (rei publicae) ein Amtsträger, der sich um das Gemeinwohl kümmerte. Später machten die Juristen den Kurator zum Vormund für Minderjährige oder Besachwaltete. Und die Künstler ihn zu dem, der ihre Werke sortierte, pflegte und in Szene setzte.
Heute ist fast jeder ein Kurator und tut, was ein Kurator tut, nämlich – Achtung, Sprechblase – kuratieren.
Kuratiert werden, eh klar, Ausstellungen, Festivals und Theater, aber auch Tierkäufe in Zoos, Schaufenster, Produktpaletten, ja sogar HR-Maßnahmen. Kuratieren klingt nun einmal gepflegter als pflegen.
Kuratoren haben angesichts aufregender Aufgaben also leicht lachen. Nur die Kuratoren in der evangelischen Kirche – mit dem Pfarrer vertreten sie die Gemeinde nach außen – nicht. Ihnen kommt gerade der halbe Karfreitag als Feiertag abhanden.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

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