Präsident Buhari legte vor den Präsidentenwahlen in Nigeria eine mäßige Bilanz vor. Sein Gegner verspricht eine Privatisierung des Ölsektors.
Wien/Abuja. Überschäumende Begeisterung wollte im Wahlkampf im bevölkerungs- und zugleich ölreichsten Staat Afrikas nicht aufkommen. Schlapp schwangen die herangekarrten Anhänger des Präsidenten, Muhammadu Buhari, bei einer Kundgebung im Fußballstadion von Lagos für einen Lohn von ein paar Dollar ihre Besen, das Symbol der Regierungspartei.
Der Präsident, der den bezeichnenden Spitznamen „Baba Go-slow“ trägt, wirkt ohnehin müde, seit er sich 2017 einer monatelangen Behandlung in einer Londoner Klinik unterzogen hat. Als sich hartnäckig Gerüchte um einen Doppelgänger hielten, meldete er sich aus dem „medizinischen Urlaub“ zurück. In der Zwischenzeit hatte sein Vizepräsident, der Pastor Yemi Osinbajo, die Amtsgeschäfte geführt und gute Figur gemacht.
Vor der heutigen Parlaments- und Präsidentenwahl versuchte Buhari seine Landsleute in einer TV-Ansprache zu beruhigen: „Habt keine Angst vor Gewalt und Unruhen.“ Zuvor hatte der 76-jährige asketische Ex-General Wahlbetrügern indessen mit rigoroser Verfolgung gedroht. Niemand war sonderlich überrascht, als die Wahlkommission wegen logistischer Probleme den regulären Wahltermin zum dritten Mal in Folge verschob – zwar nur um eine Woche, aber auch nur wenige Stunden vor Öffnung der Wahllokale.
Die Kandidaten der beiden Großparteien sind alte Bekannte in einer jungen Nation von derzeit rund 190 Millionen Einwohnern, die heute die sechstgrößte Zahl an Asylwerbern in Österreich stellt und deren Bevölkerung laut Schätzungen bis 2050 auf 400 Millionen Menschen anwachsen könnte. Buhari trat zum fünften Mal als Kandidat an. Als Militärdiktator hatte er das westafrikanische Land mit dem großen Potenzial, geplagt freilich von Korruption und dem islamistischen Terror der Boko Haram, Mitte der 1980er-Jahre schon einmal 20 Monate geführt.
Einreiseverbot in die USA
Viermal stieg Atiku Abubakar – genannt Atiku – als Bewerber in die Arena. Er brachte es zum Vizepräsidenten und nach seinem Abschied aus der Politik vor zwölf Jahren als Unternehmer zu einem Millionenvermögen. Wegen des Verdachts auf Geldwäsche belegten ihn die USA lang mit einem Einreiseverbot.
Beide Anwärter entstammen dem Fulani-Volk aus dem muslimischen Norden, was der politischen De-facto-Ordnung zuwiderläuft. Demnach wechseln sich Muslime aus dem Norden mit Christen aus dem Süden im Präsidentenamt ab.
Buhari war vor vier Jahren angetreten, die Geißeln der Korruption und des islamistischen Terrors zu bekämpfen – mit eher mäßigem Erfolg. In der Nordost-Provinz Borno vertrieb die Terrormiliz Boko Haram zwei Millionen Menschen. Immerhin: Eine Mehrheit der entführten Mädchen einer Schule in Chibok ist wieder bei ihren Familien. Und die Regierung hat das Land aus der Rezession geführt. „Nur der Geduldige kann den Löwen melken“, lautet das Credo des Präsidenten.
Mehr Dynamik strahlt derweil sein Gegner aus. Thatcher-Fan Atiku versprach die Privatisierung des Ölsektors, des Quells der grassierenden Korruption. Er konnte die Korruptionsvorwürfe selbst indes nicht abschütteln.
ZU DEN PERSONEN
Muhammadu Buhari (76). Der Präsident, ein Muslim, kandidiert für eine 2. Amtszeit. In den 1980er-Jahren führte er ein Militärregime an. [ AFP ]
Atiku Abubakar (72). Der Ex-Vizepräsident, ebenfalls Muslim aus dem Fulani-Volk, hat als Unternehmer ein Vermögen angehäuft.[ Reuters]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2019)