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Wiener Konzerthaus

Applaus, der nicht enden will

Themenbild: Wiener Konzerthaus
Themenbild: Wiener Konzerthaus(c) Wiener Konzerthaus
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Kritik Piotr Beczała zeigte sich beim Great-Voices-Arienabend einmal mehr als überragender Tenor unserer Zeit.

Ob Cavaradossi, Chénier, Radames, Don José oder Jontek – beim Konzert der Reihe Great Voices bot der polnische Tenor Piotr Beczała eine ausgezeichnete Rundumschau der Rollen, in denen er zuletzt erfolgreich angekommen ist und welche er in Bälde singen wird und möchte.

Ob mit samtigem Timbre in Rodolfos Arie aus „Luisa Miller“, einer Rolle, in der er u.a. bereits an der MET zu sehen war und in der er sich im Sommer in Salzburg präsentiert. Ob mit eleganten Phrasierungen in Don Josés Liebeserklärung in „Carmen“. Ob mit schier unendlich ausgehaltenen Tönen, Strahlkraft und lyrischem Schmelz in den beiden Arien des Cavaradossi, mit denen er kürzlich auch bei seinem Rollendebüt an der Staatsoper beeindruckte. Oder ob in der Arie des Kalaf, „Nessun Dorma“, in der Beczała einmal mehr zeigen kann, dass er sowohl in Höhe als auch Tiefe über besondere Intensität verfügt.

In dem eine große Bandbreite des bekannten italienisch-französischen Tenor-Repertoires abdeckenden Programm verströmt Beczała, begleitet vom Bohuslav Martinů Philharmonic Orchestra unter Florian Krumpöck, seine runde Traumstimme und zeigt stets, dass er sein großes Volumen mit Bedacht einzusetzen weiß. Einen höchst interessanten Vorgeschmack bietet er mit Jonteks Lied aus der polnischen Oper „Halka“ von Stanisłav Moniuszko, wird er diese Rolle doch Ende des Jahres im Theater an der Wien verkörpern. Vielversprechend, wie er hier Leichtigkeit und Dramatik verschmelzen lässt und einmal mehr mit langen Bögen besticht.

Einzig bei Radames Arie aus „Aida“ bleibt im Vergleich zu den exzellenten Darbietungen des Abends ein ganz klein wenig Luft nach oben. Zwar attackiert der Tenor eingangs mit viel Verve, doch die lang gezogenen Bögen hat man von Beczała bereits noch besser gehört. Das finale hohe B lässt das Publikum jedoch in Begeisterungsstürme ausbrechen und erhöht die Vorfreude auf Beczałas Debüt in dieser Rolle, das für 2020 an der MET avisiert ist. Das Publikum gab nicht enden wollende stehende Ovationen und erklatschte sich drei Zugaben, darunter ein Dacapo von „E Lucevan Le Stelle“ und ein schmeichlerisches „Wien, Wien, nur du allein“. Textprobleme bei Letzterem machte Beczała mit Charme und vollen Spitzentönen wett.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2019)