Ökonom: Staat entgehen 100.000 Euro pro abgeschobenem Lehrling

Symbolbild: Lehrling im Lebensmittelhandel
Symbolbild: Lehrling im Lebensmittelhandel(c) imago/photothek (Thomas Imo/photothek.net)

Knapp 700 Lehrlinge könnten demnächst abgeschoben werden. Landesrat Anschober will das Thema zur "Chefsache" von Kanzler Kurz erheben. Seitens des Handelsunternehmens Spar heißt es: "Wir könnten 2700 Lehrlinge ausbilden."

Für fast 700 Lehrlinge dürften die kommenden Wochen entscheidend werden: Sie haben in der ersten Instanz einen negativen Asylbescheid erhalten und könnten bald abgeschoben werden. Der oberösterreichische Landesrat Rudolf Anschober (Grüne) bekräftigte deshalb am Mittwoch seine Forderung, Asylwerber während der Ausbildung nicht abzuschieben.

"Wir haben in dieser wichtigen Frage jetzt fünf vor zwölf. In den nächsten Wochen drohen viele Abschiebungen", betonte Anschober, der die Initiative "Ausbildung statt Abschiebung" ins Leben gerufen hat. Er fordert deshalb Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dazu auf, das Thema endlich zur "Chefsache" zu erklären. "Der Bundeskanzler muss jetzt die Verantwortung über die Zukunft Hunderter integrierter Menschen übernehmen und endlich mit uns Gespräche führen", meinte der Landesrat.

Schneider: "Gehalt fließt zu großen Teilen in Wirtschaft"

Nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich sei es nicht sinnvoll, Asylwerber in Ausbildung abzuschieben. Ökonom Friedrich Schneider präsentierte seine Studie, die zeigt, dass die Abschiebung von Lehrlingen einen wirtschaftlichen Schaden im zweistelligen Millionenbereich bedeuten würde. Pro abgeschobenem Lehrling würden dem Staat rund 100.000 Euro entgehen. "Könnten sie in Österreich bleiben, würden die fertig ausgebildeten Lehrlinge Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Auch ihr Gehalt fließt zu großen Teilen in die Wirtschaft zurück, weil sie bei uns konsumieren", betonte Schneider.

Zudem, so Anschober, werden die Asylwerber in Mangelberufen gebraucht. "Wir suchen mit Millionen-Aufwand international nach potenziellen Fachkräften und werfen jene aus dem Land, die schon in Ausbildung sind", sagte Anschober, der das deutsche "3+2-Modell" als Vorbild für eine "vernünftige Lösung" ansieht. Derzeit absolvieren laut Anschober 1043 junge Asylwerber in Österreich eine Lehre.

Schätzungen zufolge haben zwei Drittel von ihnen in erster Instanz einen negativen Asylbescheid erhalten. "Das sind die Menschen, die all das gemacht haben, was unsere Gesellschaft von ihnen verlangt. Sie haben sich integriert", betonte Anschober.

Spar: "Wir könnten 2700 Lehrlinge ausbilden"

70.000 Private und knapp 1300 Unternehmen unterstützen Anschobers  Initiative bereits. Darunter sind auch Spar und Rewe, die ständig nach neuen Lehrlingen suchen. "Wir könnten 2700 Lehrlinge ausbilden. Uns fehlen aber ständig 300 bis 400", erzählte Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender von Spar.

(APA)