Auf der kolumbianischen Seite der Grenze warten Regimegegner auf einen Machtwechsel und hoffen auf eine baldige Rückkehr in ihre Heimat. Ein Lokalaugenschein.
Caracas. Diese Bilder, die würden ihm so schnell nicht aus dem Kopf gehen, sagt Wilmer Díaz. „Als die Soldaten auf die eigenen Leute, auf unser Volk, einschlugen und mit den aus Kuba bereitgestellten Waffen auf die Zivilisten zielten, konnte ich nicht mehr anders – ich musste gehen“, sagt der venezolanische General. Díaz ist Mitte 60, ein zweifacher Familienvater – und seit einigen Tagen Deserteur. In der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta erzählt er die Geschichte seiner Flucht. Sie beginnt an der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien.
Díaz war aus dem Landesinneren an die Tienditas-Brücke geschickt worden, jenen dreispurigen Grenzübergang, der die beiden Staaten verbindet. In Cúcuta hatten noch am Freitag Tausende Menschen beim Benefizkonzert „Venezuela Aid Live“ Geld für Hilfsgüter gesammelt, darunter auch der selbst ernannte venezolanische Übergangspräsident Juan Guaidó. Doch dann eskalierte die Lage, als Oppositionsanhänger die Hilfe über die Grenze bringen wollten. Regimetreue Sicherheitskräfte wendeten Gewalt an, an mehreren Orten gab es Zusammenstöße. Hunderte wurden verletzt, mehrere Menschen starben.