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Ein Jahr Frauenquote – und sie wirkt

Der Frauenanteil in jenen 29 Börsenfirmen, die unter die Quote fallen, liegt im Aufsichtsrat bei 27,5 Prozent.
Der Frauenanteil in jenen 29 Börsenfirmen, die unter die Quote fallen, liegt im Aufsichtsrat bei 27,5 Prozent.imago/Westend61
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Die Strahlkraft auf das Management sei aber noch nicht eingetreten.

Wien. Seit Jänner 2018 müssen große Unternehmen in Österreich 30 Prozent der Aufsichtsratsmandate mit Frauen besetzen. Die Quote gilt nur für Neubestellungen und nur für Unternehmen, deren Aufsichtsrat aus mindestens sechs Kapitalvertretern besteht und deren Belegschaft zu 20 oder mehr Prozent Frauen sind. Und sie wirkt, wie eine aktuelle Auswertung der Arbeiterkammer zeigt.

Der Frauenanteil in jenen 29 Börsenfirmen, die unter die Quote fallen, liegt im Aufsichtsrat bei 27,5 Prozent. Vor einem Jahr waren es noch 22 Prozent. In den Börsenfirmen, für die die Quote nicht gilt, liegt der Frauenanteil im Aufsichtsrat lediglich bei 14 Prozent. In den 20 Firmen im Leitindex ATX sind 27,7 Prozent der Aufsichtsratsmandate in Frauenhänden. Damit liegt Österreich zum ersten Mal knapp über dem EU-Schnitt von 27 Prozent. Anders sieht es im Management aus. Nur zehn von 203 Vorstandsposten in allen börsenotierten Unternehmen waren zuletzt mit Frauen besetzt. Und: 60 der 68 börsenotierten Unternehmen hatten keine einzige Frau im Vorstand. In den Vorstandsetagen der ATX-Firmen gebe es mehr Männer, die Peter heißen (sieben) als Frauen (vier), so die AK.

Die erhoffte Strahlkraft der (noch jungen) Quotenregelung auf Managementebene sei noch nicht eingetreten, resümieren die Autoren des Berichts. Ähnlich ist das in Deutschland, wo es seit 2016 eine Quote gibt. Die Arbeiterkammer fordert nun die Einführung einer Geschlechterquote auch in den Geschäftsführungen. Theoretisch gilt die Quote auch für Männer, praktisch ist sie eine reine Frauenquote. Wegen der zahlreichen Ausnahmen gilt die Frauenquote Schätzungen zufolge nur für 70 bis 80 Unternehmen. (hie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2019)