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Als bei der Opernball-Demo Steine flogen

Eine Demo gegen den Opernabll findet heuer keine statt. Das war schon einmal anders. Bild: Opernball-Demo 2003
Eine Demo gegen den Opernabll findet heuer keine statt. Das war schon einmal anders. Bild: Opernball-Demo 2003Clemens Fabry / Die Presse
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Niemand geht heuer gegen den Opernball auf die Straße. Die Ringstraße wird nur für die Gäste gesperrt. Das war schon einmal anders: Von Molotow-Cocktails, brennenden Müllcontainern und Blumen für die Polizei.

Der Opernball wird dieses Jahr ohne Gegendemonstration stattfinden. "Es wurde keine Demo angemeldet", sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger. Dafür wird wie üblich der Ring gesperrt, der Verkehr vor der Oper wird umgeleitet, betroffen sind auch die Wiener Linien.

Im Vorjahr hatte eine Femen-Aktivistin noch für einen Eklat gesorgt, die am Roten Teppich mit nacktem Oberkörper gegen den Besuch des Balles durch den ukrainischen Staatspräsidenten Petro Poroschenko protestierte. Die kreischende Aktivistin wurde von der Polizei abgeführt.

Auch eine Demo hatte es gegeben, allerdings nur mit rund 100 Personen. Das war schon einmal anders: Besonders in den ersten Jahren der Opernballdemos kam es oft zu massiven Ausschreitungen der Demonstranten und Zusammenstößen mit der Polizei.

Vor 32 Jahren flogen Steine

Dabei war im Jahr 1987, als das erste Mal Proteste stattfanden, nicht einmal der Ball der Grund für die Demonstrationen. Atomgegner schürten den Protest, der sich vor allem gegen den bayerischen CSU-Ministerpräsident Franz-Josef Strauß wandte, der massiv den Bau der atomaren Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf betrieb und wie jedes Jahr den Wiener Opernball besuchte. Es flogen Steine, die Polizei setzte Schlagstöcke ein. Es gab mehrere Verletzte und rund 40 Festnahmen.

Die Grünen erhoben massive Vorwürfe gegen die Exekutive, die wahllos Personen verprügelt, niedergestoßen und durch die Stadt gejagt hätte. Der damalige Innenminister Karl Blecha (SPÖ), heute Chef des SP-Pensionistenverbandes, verteidigte den Einsatz. In der Oper warfen Atomgegner bei der Eröffnung Flugblätter in den Ballsaal und entrollten ein Transparent. 1988 richtete sich der Protest erstmals gegen den Ball selbst. Trotz eines Demo-Verbotes der Polizei versammelten sich etwa 3000 Menschen, es blieb neben vereinzelter Zusammenstöße relativ ruhig.

Demo anlässlich des Opernballs 1998.
Demo anlässlich des Opernballs 1998.APA

Molotow-Cocktails und Blumen

1989 tauchte erstmals die Parole "Eat the Rich" bei der Opernballdemo auf. Es folgte einer der gewalttätigsten Proteste überhaupt. Zwar war ein Protestzug genehmigt worden, zwei weitere wurden jedoch untersagt. Es flogen Molotow-Cocktails, Steine, Farbbeutel und Knallkörper gegen die Polizei, diese setzte ihrerseits Tränengas, Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Die Demonstranten stoppten einen Ballbesucher in einem Mercedes. Der Lenker brachte sich in Sicherheit, die Limousine wurde daraufhin als Prellbock gegen die Polizeisperren benutzt. Am Ende standen mehrere Dutzend Verletzte auf beiden Seiten und zwölf Festnahmen.

Ein Jahr später, am 22. Februar 1990, gab es am Beginn der angemeldeten Opernballdemo Blumen für die Polizei. Das änderte wenig: Erneut waren Dutzende Verletzte zu beklagen, zehn Personen wurden festgenommen.

Demo ohne Opernball

1991 stellte eine Zäsur dar: Wegen des ersten Golfkrieges wurde der Opernball abgesagt - nicht aber die Demo. 300 Demonstranten standen einer Übermacht an Polizisten gegenüber. Auch in den, mit teilweise nur 20 Demonstranten. Erst der Wechsel zur ÖVP-FPÖ-Koalition brachte wieder Brisanz in die Proteste gegen den Opernball. Im Jahr 2000 kamen plötzlich 15.000 Teilnehmer zur Opernballdemo. Es blieb aber weitgehend friedlich.

Opernball 2000 -Demonstration/Ball-Besucher-
Eine Opernball-Besucherin sucht sich ihren Weg zur Wiener Staatsoper durch die Sperren der Exekutive, Opernball 2000APA

Anders 2001, obwohl die Teilnehmerzahl deutlich gesunken war: 42 Festnahmen und deutlich mehr als 20 Verletzte, lautete die Bilanz nach einer Nacht mit Krähenfüßen, Pflastersteinen, brennenden Müllcontainern und Schlagstöcken.

Bereits 2002 war es wieder deutlich ruhiger: Zwar kam es noch vereinzelt zu Scharmützeln zwischen einigen der rund 1.000 Demonstranten und der Polizei, große Auseinandersetzungen gab es jedoch nicht. Ähnlich war es 2003, obwohl die Polizei rund 60 Personen festnahm. 2004 war endgültig erkennbar, dass die Proteste rund um die Oper wieder abflauen. Die Zahl der Teilnehmer sank und tendierte in den vergangenen Jahren gegen null. 2010 gab es zum ersten Mal in diesem Jahrtausend kein Platzverbot um die Oper.

Von 2012 an gab es dann überhaupt keine Demo mehr. Erst 2017 demonstrierten wieder etwa 250 Menschen, im Jahr 2018 erließ die Polizei vorsorglich sogar ein Platzverbot rund um die Oper - viel mehr als 100 Personen kamen aber auch da nicht.

Ringstraße am Abend gesperrt

Am heutigen Donnerstag ist trotz ausbleibender Demo die Ringstraße von 19.30 bis 23.00 Uhr izwischen dem Schwarzenbergplatz und der Operngasse sowie die Kärntner Straße zwischen Karlsplatz und Opernring gesperrt. Die Zufahrt von Ballgästen ist zwischen 19.40 und 20.05 Uhr sowie ab 20.20 Uhr möglich.

Der Verkehr in den von Sperren betroffenen Bereichen wird lokal umgeleitet. Besucher, die von Wieden, Margareten oder Mariahilf über den Karlsplatz und der Kärntner Straße zufahren möchte, werden über die Lothringer Straße und den Schwarzenbergplatz umgeleitet, informierte die Polizei in einer Aussendung am Mittwoch.

Die Wiener Linien sind ebenfalls von der Ringsperre betroffen. Die Straßenbahnlinien 1, 2 und D werden ab etwa 19.00 Uhr umgeleitet, die Linien 71 und 59A werden kurzgeführt. Die Autobuslinie 2A wird bis Freitag eingestellt.

(APA/red.)