Das Skelett gibt es nur zu Halloween

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Wer noch ein Kostüm sucht, muss flexibel sein.

„Entschuldigung bitte“, sage ich zu einem jungen Mann mit Perücke und Sonnenbrille, der sich mit Rollschuhen durch das Geschäft bewegt. „Ich suche ein Skelett.“ Mit einer großzügigen Geste zeigt er auf ein paar Stangen mit Hunderten Kostümen in wilder Unordnung, ein raschelnder Polyester-Wahnsinn, man sieht schon, wie Cowboys, Biene Majas, Piraten und Krankenschwestern in Flammen aufgehen, weil irgendjemand im Vorbeigehen eine brennende Zigarette nicht unter Kontrolle hat.

Aber solche Gedanken sind wahnhaft und gehen vielleicht auf eine früh erlittene Faschingskränkung zurück. Niemand wird brennen, aber ich brauche ein Skelett. Diese gebe es problemlos rund um Halloween, kurz vor dem Faschingsfinale sei da nicht mehr viel zu machen, erklärt der Experte, und es fühlt sich an wie beim Kauf von Badehosen im Sommer, da kann man froh sein, wenn es überhaupt noch etwas gibt, das passt.
Im Fasching gibt es ganz grob unterteilt die Menschen, die attraktiver als sonst aussehen wollen, und jene, die wahlweise originell, cool, schaurig oder lustig sein wollen. Was lustig ist, hängt stark von Alter und Charakter ab. Mein Favorit ist noch immer jener Mutige, der als Brokkoli ging und es mit Würde hinnahm, dass er keine Begeisterungsstürme auslöste. Gemüse ist vielleicht einfach nicht beliebt genug. Dennoch waren einige Karotten im Angebot zu sehen.

Jedenfalls ist nichts schlimmer als ein Muffel, der die Fröhlichen infrage stellt, das ist wie der eine Mensch beim Oktoberfest, der sich stöhnend auf den Kopf greift und „Viva Colonia“ für einen Angriff aus dem Tal der Irren hält. In dem Fall muss man die nächsten Tage daheim bleiben und leider auch auf Konfetti verzichten, die beste Erfindung seit Tannennadeln. Es geht vorbei. Manche verkleiden sich einmal im Jahr, andere verstellen sich dafür ihr ganzes Leben lang.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2019)