Grätzeltour

"Welt in Bewegung" in Wiener Neustadt

Brigitte Tauchner vor dem Museum St. Peter in der Sperr.
Brigitte Tauchner vor dem Museum St. Peter in der Sperr.(c) DIMO DIMOV

Die Bezirkshauptstadt lädt ab 30. März zur NÖ-Landesausstellung 2019 "Stadt.Geschichte.Mobilität - Welt in Bewegung" ein. Mit Brigitte Tauchner vom SOG-Theater durch Geschichte und Plätze der sich verändernden Stadt.

Es wird gebaut, geputzt, verschönert; von den Kasematten in der Bahngasse über den Bürgermeistergarten bis zur Hauptplatzgarage Ungargasse herrscht geschäftiges Tun: Wiener Neustadt rüstet sich für die Landesausstellung „Welt in Bewegung – Stadt.Geschichte.Mobilität“, die am 30. März eröffnet werden wird. Neben den ab 1531/32 als Stadtbefestigung erbauten Kasematten – hier wird das Thema Mobilität, Wiener Neustadt und seine Beziehungen zur Welt mit Objekten, Inszenierungen und außergewöhnlichen Biografien präsentiert – zeigt das um 1300 erbaute, ehemalige Kloster St. Peter an der Sperr die Stadt im Spiegel der Weltgeschichte: Von hier aus regierten die Habsburger Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. das damalige Österreich.


Bewegte Geschichte


„Ich bin schon gespannt, wie die Kasematten aussehen werden“, sagt Brigitte Tauchner vom SOG Theater Wiener Neustadt. Sie spielte dort mit dem Ensemble Szenen des Stationentheaters „Die Schutt*träumerinnen. Erinnerungen aus dem Schweigen“, eine performative Stadtführung im Rahmen des Viertelfestivals, die das Leben der Wiener Neustädter Frauen nach dem 2. Weltkrieg thematisierte. Die Schauspielerin, aufgewachsen in Bad Erlach und heute in Lanzenkirchen zu Hause, ist Wiener Neustadt nicht nur durch die Arbeit im SOG-Theater seit 20 Jahren verbunden. „Schule, Einkaufen, Ausgehen – man orientiert sich einfach an der Bezirksstadt. „Zu Schulzeiten habe ich oft im Garten bei der Neuklosterkirche gelernt.“
Zu ihren heutigen Lieblingsplätzen zählt der Weg vom Hauptplatz zum Dom und weiter zum Museum St. Peter an der Sperr, „ich finde es immer wieder toll, wie in der Böheimgasse plötzlich der Dom in den Blick kommt, wie er einen Kontrapunkt setzt zu den kleinen Häusern in der engen Gasse“, erzählt Tauchner. Der „Dom mit Knick“ – die Achsen von Langhaus und Chor orientieren sich am Sonnenaufgang der Pfingstsonntage 24. Mai 1192 und 16. Mai 1193 – wichtige Tage in der Stadtgeschichte, die damit im Grundriss der Stadt verewigt wurden.

Blick vom Bürgermeistergarten zum Dom
Blick vom Bürgermeistergarten zum Dom(c) DIMO DIMOV


Auch das Cafe Bernhard, das 2016 renoviert und wieder eröffnet wurde, gehört zu Tauchners bevorzugten Plätzen. Besonders im Raum, der Greta Zimmer gewidmet ist, sitzt sie gerne. Wer die Dame war? Jene damals – 1945 – junge Frau, die bei der Feier zum Kriegsende am New York Times Square den Matrosen George Mendosa geküsst hatte, und deren Bild um die Welt ging als Symbol der Aufbruchsstimmung „War is over“.
Die Stadt, die damals in Schutt und Asche lag, glänzt an einem Frühlingstag wie neu: Diese alten Häuser in der Petersgasse, die laut Tauchner „einen haben wollen-Effekt auslösen, auch wenn man eigentlich ganz wunderbar wohnt“. Der Hauptplatz mit den sonnenbebrillten Leuten, die die ungewohnte Wärme genießen, die „Würstl-Boutique“, „Papas Kitchen“ und die Blumenhandlung am Marienmarkt. „Doch Traumata wirken oft lange, das geht über Generationen“, weiß Tauchner, sie gehen quasi in die DNA einer Stadt ein wie Daten und Gebäude.

Wiener Neustadt
Wiener NeustadtDie Presse


Weitere Ausstellungsorte sind die Militärakademie, der Marienmarkt, das Neukloster und das Kleinwasserkraftwerk Ungarfeld. Auch die Umgebung ist miteinbezogen – etwa der Thermenradweg Wiener Neustädter Kanal, Welterberegion Semmering/Rax oder die Bucklige Welt.
Nicht vergessen sollte man zudem das bereits 1909 errichtete Flugfeld im Norden der Stadt, das Flugpionieren wie Igo Etrich oder Karl Illner für ihre Flugversuche diente und heute der größte Naturflugplatz Europas ist. Hier werden sogar – ganz in der Nähe gebaute – Flugzeuge aus der Pionierzeit des Fliegens getestet.

Zum Ort, zur Person

Wiener Neustadt, gegründet im 12. Jhdt. mit dem Lösegeld für Richard Löwenherz, ist mit 44.820 Einwohner zweitgrößte Stadt in NÖ.

Gebrauchte Eigenschaftswohnungen kosten zwischen 810 und 1666,7 Euro /m2, neue zwischen 1147,50 und 1886,67 Euro/m2.

Brigitte Tauchner ist als Schauspielerin im SOG Theater (Zentrum für Theaterpädagogik und strategische Inszenierung) tätig.


www.noe-landesausstellung.at

www.sog-theater.com