Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Einen Tesla gibt es nur mehr im Netz

Noble Geschäfte wie das in Peking kosten viel Geld, sie werden alle geschlossen.
Noble Geschäfte wie das in Peking kosten viel Geld, sie werden alle geschlossen.(c) imago/UPI Photo (STEPHEN SHAVER)
  • Drucken

Um das neue Model 3 billiger verkaufen zu können, setzt der notorisch defizitäre E-Auto-Pionier den Rotstift an und schließt alle Geschäfte. Die Anleger sind ratlos.

New York/San Francisco. Mit Versprechen ist das so eine Sache: Hält man sie nicht, ist einem die schlechte Nachrede sicher. Hält man sie, kann das teuer werden. So geht es nun Tesla-Gründer Elon Musk, der einst versprochen hat, dass die Basisversion des für den Massenmarkt gedachten Model 3 nur 35.000 Dollar kosten werde.

Jetzt wird das Grundmodell des neuen Elektroautos tatsächlich zu diesem Preis verkauft. Was zur Folge hat, dass der notorisch Verluste schreibende E-Auto-Pionier drastisch sparen muss. Seit dem Börsengang im Jahr 2010 schaffte Tesla erst viermal einen Quartalsgewinn, schwarze Zahlen gab es im dritten und vierten Viertel 2018. Aber für den Jahresstart dämpfte Musk die Erwartungen. Im ersten Quartal werde es keinen Gewinn geben, erst im zweiten, sagte er am Freitag dem Sender CNBC.

Gestern, Freitag, wurde zudem eine Wandelanleihe im Wert von 920 Mio. Dollar fällig – das ist für den Autobauer trotz der zuletzt ausgewiesenen Reserven von 3,7 Mrd. Dollar ein riesiger Brocken.

Der Schnitt, den Musk nun setzt, ist in der Tat radikal: Tesla schließt einen Großteil der 378 Niederlassungen (eine gibt es auch in Wien) und stellt weltweit komplett auf Onlinevertrieb um. Auch Wartung und Reparaturen werden auf mobiles Service umgestellt. Zusammen mit anderen Kostensenkungen wie dem angekündigten Abbau von 3000Stellen (sieben Prozent der Gesamtbelegschaft) könnten so die Fahrzeugpreise um sechs Prozent gesenkt werden.

 

Kein Probefahren mehr

„Es ist eine harte Entscheidung, aber ich denke, dass es die richtige für die Zukunft ist“, sagte Musk. Sein Unternehmen sei in der Lage, das durchzuziehen, weil es die Autohäuser selbst betreibe und nicht wie Mitbewerber im Franchisesystem. In den USA könne man einen Tesla binnen einer Minute mit dem Smartphone kaufen, bald werde es das weltweit geben. Ein Probefahren vor dem Kauf geht daher nicht mehr. Bis zu sieben Tage nach der Übernahme kann der Wagen aber retourniert werden.

„Tesla will die Nachfrage hochtreiben“, sagte Chaim Siegel, Autoexperte von Elazar Advisors. Der Wegfall von Steuervorteilen habe den Tesla-Absatz in den USA bereits gebremst. Mit der Kostensenkung baue Musk dem absehbaren weiteren Wegfall staatlicher Anreize vor. Fast drei Jahre nach der Ankündigung des Mittelklassewagens warten die Kunden noch immer auf den Markteintritt. Dieser erfolgte nun zu 42.900 Dollar – also teurer als versprochen. Der niedrigere Preis werde den Durchbruch bringen, meint Daniel Ives, Analyst von Wedbush Securities.

Wie viele Vorbestellungen es für das Model3 zum Basispreis gibt, ist allerdings nicht bekannt. 2017 war von einer halben Million Fahrzeugen die Rede. Musk hat von einer außerordentlich hohen Nachfrage gesprochen.

An sich dürfte der für seine erratischen Tweets bekannte Musk gar keine Aussagen zu Ertrag und Absatz machen. Im Vorjahr hat ihm die Börsenaufsicht SEC nach einer heftigen Auseinandersetzung – und einer Klage – in einem Vergleich untersagt, eigenmächtig kursrelevante Mitteilungen zu veröffentlichen. Daran hält sich Musk jedoch nur bedingt. Erst vor drei Tagen hat die SEC erneut einen Gerichtsantrag eingebracht, weil Musk irreführende Angaben zur Jahresproduktion gemacht hat.

Die Tesla-Aktie hat sich inzwischen zum Zockerpapier entwickelt: Nach einem starken Kursanstieg im ersten Halbjahr 2017 von 180 auf 380 Dollar pendelt sie seither zwischen 250 und 350 Dollar – je nachdem, was Musk gerade twittert. Auch am Donnerstag vollführte das Papier einen Zickzackkurs. Die Anleger sind offenbar ratlos. (Reuters/eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2019)