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Lauter Doping-Murmeltiere

Nutzlose Tests, Skandalvideo, verhafteter Familienanwalt – und der 144-Notruf.

Operation Aderlass war ein beispielloser Schlag gegen Doping- und Sportbetrüger. Es war nicht nur ein Schock für die wunde Seele des Sports, weil deutlich wurde, wie dreist und einfallsreich Athleten und Komplizen sind. Die Polizei deckte auch schonungslos auf, wie ineffizient das so oft gelobte Kontrollsystem der Dopingjäger ist: Max Hauke und Dominik Baldauf wurden seit Dezember sechs Mal getestet. Immer negativ.

Und doch, über diese Polizeiaktion legte sich ein Schatten. Während sich deutsche Ermittler keine Blöße geben bei der sorgfältigen Datenauswertung, verschickte ein österreichischer Kollege ein Video. Es wurde bei der Amtshandlung, offenbar mit einer Bodycam, erstellt. Auf dem Kurzfilm ist der bestürzte Hauke zu sehen, mit der Nadel im Arm, den Blutbeutel vor ihm.

Es sind dramatische Bilder, die mit der Veröffentlichung bloß eine befremdende, obskure Form von Voyeurismus befriedigen. Warum ein Polizist so etwas macht und ein peinliches Exklusiv-Wettrennen in Österreichs Medienlandschaft auslöst, ist fragwürdig. Der Beamte wurde jedenfalls ausgeforscht. Jetzt wird gegen ihn ermittelt wegen des Verdachts der Verletzung des Amtsgeheimnisses.

Warum Hauke auf dem Sofa einfach so sitzen gelassen wurde, hat allerdings einen ganz anderen, sogar triftigen Grund. Denn die Täterin, eine Krankenschwester, war längst abgeführt – und nur ein Arzt durfte Hauke von dieser Transfusion „befreien“. Man musste schleunigst eine medizinische Fachkraft auftreiben: Die Polizisten riefen die Rettung – und das dauerte.

Kurios werden auch die Bonmots, die zu den Verdächtigten durchsickern. Juristischen Beistand haben die Läufer, zwei Sanitäter und der Sportarzt bitter nötig. Auf die Hilfe seines in Seefeld verhafteten Vaters kann Dr. S. nicht mehr zählen. Er ist selbst Rechtsanwalt, allerdings spezialisiert auf Familienrecht. Auch das ist ein Aderlass.

E-Mails an: markku.datler@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2019)