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„DAB+ mag das Sahnehäubchen sein, . . .“

Medienunternehmer Wolfgang Fellner will „noch vor dem Sommer“ sein bundesweites Radioprogramm starten.
Medienunternehmer Wolfgang Fellner will „noch vor dem Sommer“ sein bundesweites Radioprogramm starten.(c) JOHANNES BRUCKENBERGER / APA / p (JOHANNES BRUCKENBERGER)
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. . . aber Wolfgang Fellner setzt bei seinem bundesweiten Radioprogramm lieber auf eine Kombination aus Analogradio (UKW) und App. Doch auch das Digitalradio DAB+, das am 28.Mai österreichweit startet, hat seine Qualitäten.

Am Radiomarkt tut sich etwas. Österreich bekommt ein österreichweites Digitalradioangebot (DAB+) und – nach Kronehit – ein zweites bundesweites privates UKW-Radio (analog). Aber alles der Reihe nach . . .

Den Zuschlag für das österreichweite UKW-Radio hat das Radiounternehmen der Familie von Medienmacher Wolfgang Fellner („Österreich“, oe24) bekommen. Dieser legt dafür seine Radiosender (oe24 oder z.B. die Antenne-Sender in Wien, Salzburg, Tirol) mit den Lounge-FM-Frequenzen von Florian Novak in Klagenfurt und Graz zusammen. Innerhalb von neun Monaten muss der Sender starten. Das fordert die Behörde. Fellner will aber „noch vor dem Sommer on air gehen“, wie er im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“ sagt.


UKW als „Trägerrakete“. Das ist der eine Teil seiner Radiopläne. Fellner, nicht gerade für Bescheidenheit bekannt, will den UKW-Start als „Trägerrakete“ für digitale Angebote nützen. „Wir machen ein analoges Hauptprogramm, das wir in etwa einem Monat präsentieren werden. Das ist der klassische Radiosender. Zu dem gibt es dann eine App, über die wir etwa zehn Kanäle anbieten werden – die wird erst entwickelt“, so Fellner. Über die App sollen die Hörer Angebote für „ihren persönlichen Musikgeschmack“ geliefert bekommen. „Im Unterschied zu Streamingdiensten wie etwa Spotify bleiben aber die Information, die Serviceelemente oder die Unterhaltung gleich wie beim analogen Hauptsender.“ Über die App bekommen die Hörer also Elemente aus dem analogen Programm eingespielt – Fellner nennt „Breaking News: Attentat auf Trump!“ –, können sich die Musikart, die dazwischen läuft, aber aussuchen. Vom Digitalradiostandard DAB+ hält Fellner weniger. Im Vergleich zum Streaming sei das „extrem teuer“, meint er: „Da muss sich die Politik etwas Besseres einfallen lassen, um die Menschen hinter dem Ofen hervorzuholen.“

Am 28.Mai wird man sehen: Dann startet der Betrieb des ersten österreichischen Digitalradiosendenetzes. Elf Programme werden vorerst angeboten – große Player wie Ö3 oder Kronehit sind nicht dabei. Ein digitaler Multiplex kann aber auf einer Frequenz und in guter Qualität bis zu 15 Programme übertragen – es gibt also noch Kapazitäten. Bisher hat Fellner aber noch kein DAB+-Programm bei der Medienbehörde angemeldet. „Alles der Reihe nach“, sagt er. „Wir sind ja nicht David Copperfield.“ Ihm seien die UKW-Frequenz und die App wichtig: „DAB+ mag das Sahnehäubchen sein, aber das ist für uns nicht spielentscheidend.“

Michael Ogris, Chef der Medienbehörde KommAustria, könnte Fellner einige Vorteile von DAB+ nennen. „Man kann frequenzökonomischer agieren“, sagt er. Es braucht also weniger Frequenzen, um mehr Programme verbreiten zu können. Das bedeutet: „Der Zugang der Rundfunkveranstalter zum bisher knappen Gut Frequenz wird leichter.“ Das bringe mehr Vielfalt für die Hörer – und erleichtere den Rundfunkveranstaltern den Zugang im Sinne der Meinungsfreiheit.


DAB+ ist billiger als streamen. Die Ausstrahlung über DAB+ werde für die Radiobetreiber im Vergleich zur analogen Ausstrahlung billiger – weil sich die Kosten für die Ausstrahlung auf bis zu 15 Programme aufteilen. Und für Konsumenten gilt: DAB+ unterwegs zu hören sei derzeit günstiger als streamen, da keine Kosten für Telekomanbieter anfallen. Ganz abgesehen davon, dass Streaming z.B. im Auto nicht überall klaglos funktioniert. Das sei, erklärt Ogris, ähnlich wie beim digitalen Fernsehen: Es gibt kein Flimmern mehr – nur noch Empfang in voller Qualität oder keinen. Programmbetreiber können über DAB+ auch Zusatztextinformationen aufs Display schicken, z.B. Informationen über die Verkehrslage oder gespielte Musiktitel. Warum es DAB+ dennoch schwer hat? „Bei allen Vorteilen von DAB+ für die Hörerinnen und Hörer, wie mehr Vielfalt oder eine rauschfreie Übertragung, ist UKW eben ein über Jahrzehnte etabliertes und sehr gut gehendes technisches Konzept.“ Und das wird bis auf Weiteres auch verfügbar bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2019)