Schnellauswahl

Bundesliga: Violette Schützenhilfe für Rapid

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
  • Drucken
  • Kommentieren

Die Wiener Austria und der Lask gewinnen standesgemäß – und lassen Rapid damit weiter hoffen. „Jetzt alles rosarot zu sehen, wäre falsch“, erklärt der siegreiche Thomas Letsch.

Wien/Altach. Nach völlig verpatztem Start in die Frühjahrssaison – Stichwort Cup-Aus gegen Regionalligist GAK – war es Austria-Coach Thomas Letsch an diesem Sonntag einmal vergönnt, seine Truppe zu bejubeln. „Wie sie da zurückgekommen ist, wie jeder gekämpft hat – da ziehe ich den Hut“, erklärte der Deutsche. 4:2 hatte seine Austria zu Hause gegen Hartberg gewonnen, drei Tore erzielten die Wiener dabei in Unterzahl.

In Bedrängnis gebracht haben sie sich nämlich selbst: Der brasilianische Innenverteidiger Igor, 21-jährige Leihgabe von Meister Salzburg, kassierte erst Gelb für Ballwegschießen, dann Gelb-Rot für ein ungestümes Tackling weit in der Hälfte des Gegners (44.). Ein unnötiger Ausschluss, gelinde gesagt. „Nicht die besten Aktionen“, kommentierte Letsch.

So gingen die Gastgeber nur noch zu zehnt in die zweite Halbzeit, Hartberg zog aus der Überzahl schnell Profit. Florian Flecker erzielte den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich (52.), 87 Sekunden später aber brachte der nach einer Verletzungspause zurückgekehrte Kapitän Alexander Grünwald die Austria wieder in Front (53.), zweifellos die Schlüsselszene der Partie. „Nach der Gelb-Roten Karte sind wir noch enger zusammengerutscht“, meinte Michael Madl, der den Trefferreigen in der Generali Arena eröffnet hatte.

„Jetzt alles rosarot zu sehen, wäre falsch“, erklärte Trainer Letsch. „Jetzt steht mit Altach die nächste Aufgabe vor der Brust.“ Dort können die Wiener mit einem Sieg ihren Platz in den Top sechs und damit im oberen Play-off der Bundesliga fixieren.

Rapid auf dem Vormarsch

Nutznießer des Austria-Sieges über Hartberg ist auch Rapid. Die Hütteldorfer haben die Steirer nun in der Tabelle überholt. Und weil auch das sechstplatzierte Sturm Graz gegen den souveränen Lask 0:3 unterlag, beträgt der Rückstand der Hütteldorfer auf die Meisterrunde nur noch einen Punkt. Zwei Runden sind vor der Teilung in oberes und unteres Play-off noch zu spielen, Rapids Restprogramm stimmt optimistisch: Mattersburg auswärts, Hartberg zu Hause – keine unlösbaren Aufgaben angesichts der jüngsten Auftritte.

Schließlich haben die Wiener erstmals in dieser Saison zwei Meisterschaftssiege in Folge eingefahren. Erst ein nicht unglückliches 2:0 gegen Meister Salzburg, dann ein souveränes 4:0 in St. Pölten, zugleich der höchste grün-weiße Erfolg in dieser Spielzeit. Bei zwei Siegen in Folge von einer Serie zu sprechen, wäre vermessen, doch die Hütteldorfer präsentieren sich im Frühjahr zumindest in Meisterrundenverfassung.

Die Truppe von Dietmar Kühbauer wirkt nach der Wintervorbereitung kompakter und scheint in einer deutlich besseren physischen Verfassung zu sein. „Die Mannschaft ist jetzt giftiger und aggressiver in den Zweikämpfen, hinten viel stabiler und vorn weiterhin stark“, erklärte der Coach. „Das Salzburg-Spiel hat uns natürlich geholfen, aber auch die Partien gegen Inter Mailand (Anm.: 0:1, 0:4) waren nicht so schlecht.“
Ganz ohne Schützenhilfe ist die Meisterrunde für Rapid dennoch nicht zu erreichen. „Wir wollen es unbedingt schaffen, aber es liegt leider noch immer nicht in unserer Hand“, sagt Thomas Murg.

Altach-Coach entlassen

Durch ein 0:1 im Kellerduell gegen die Admira ist die rote Laterne der Bundesliga nach Altach gewandert. Dort wurde auch prompt und mit sofortiger Wirkung Coach Werner Grabherr entlassen. Sportchef Georg Zellhofer sah sich nach dem Rückfall ans Tabellenende – Platz zwölf bedeutet im neuen Ligamodus den Fixabstieg – zu einer Reaktion gezwungen. „Wir haben einem jungen Trainer die Chance gegeben und trotz einer schwierigen Saison lang an ihm festgehalten. Leider sind auch nach der Winterpause die Ergebnisse nicht eingetreten“, erklärte Zellhofer.

Grabherr, 33, war seit knapp drei Jahren im Betreuerstab der Altach-Profis. Im Herbst 2016 übernahm er interimistisch vom zu Rapid gewechselten Damir Canadi und wurde mit den Altachern Winterkönig, ehe er wieder ins zweite Glied rückte. Im vergangenen Sommer stieg Grabherr schließlich zum Chefcoach auf.

In dieser Saison lief es alles andere als wunschgemäß. „So sind die Regeln im Fußball. 15 Punkte aus 20 Spielen sind zu wenig. Für den Verein ist es die letzte Chance, einen Impuls zu setzen“, erklärte Grabherr. Als Interimsnachfolger fungiert der bisherige Co-Trainer Wolfgang Luisser, 39, mit Unterstützung von Sportdirektor Zellhofer. Ein neuer Chefcoach soll bis Mitte März feststehen. (joe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2019)