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Innsbruck gibt evangelischen Bediensteten "fünf Stunden Sonderurlaub"

Georg Willi
Georg WilliAPA/EXPA/JOHANN GRODER

Nach zwei ÖVP-Bürgermeistern meldet sich nun ein grüner Stadtchef zu den Plänen der Bundesregierung zu Wort und gibt den städtischen Mitarbeitern am Karfreitag frei.

Nach Mödling und Eisenstadt will auch die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck von der Karfreitags-Regelung der Bundesregierung abweichen. Die städtischen Mitarbeiter evangelischen Glaubens würden "fünf Stunden Sonderurlaub" erhalten, sagte der grüne Bürgermeister Georg Willi in der Montagausgabe der "Tiroler Tageszeitung". "Das ist gerechtfertigt", meinte Willi.

Damit werde die bisherige Regelung respektiert. Sonderurlaub für alle 1600 Beschäftigten im Magistrat sei hingegen nicht administrierbar, so der Bürgermeister.

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Erst am Wochenende hatten zwei ÖVP-Stadtchefs bekundet, sich gegen die Linie der Bundesregierung stellen zu wollen (diese, respektive der Nationalrat, hatte den Karfreitag bekanntlich aus der Liste der Feiertage gestrichen). Zum einen handelte es sich dabei um den burgenländischen Landesparteiobmann und Bürgermeister von Eisenstadt, Thomas Steiner. Er sagte am Sonntag: "In der Stadtgemeinde lassen wir am Karfreitag alles wie bisher. Alle Mitarbeiter der Stadt haben am Karfreitag frei - ohne dafür einen Urlaubstag aufzuwenden zu müssen."

Einen Tag früher war der Mödlinger Bürgermeister Hans Stefan Hintner (ÖVP) dran: Er kündigte an, dass protestantische Beschäftigte der niederösterreichischen Stadtgemeinde am Karfreitag Sonderurlaub bekommen sollen. Seinen Angaben zufolge sind davon rund 20 von 310 Mitarbeitern betroffen.

Die Bundespartei reagierte am Samstag auf die Ankündigung mit dem Hinweis, dass dies gleichheitswidrig sei und alle Gemeindebediensteten frei bekommen müssten.

Verwunderung bei Opposition über ÖVP-Vorgehen

Das Vorgehen der ÖVP-Bürgermeister irritierte jedenfalls die Oppositionsparteien SPÖ und Neos. Die Regierung messe in der Frage "mit zweierlei Maß", hieß es vonseiten der Sozialdemokraten. Die Neos orteten eine "arbeitsrechtliche Zweiklassengesellschaft".

Jörg Leichtfried, stellvertretender SPÖ-Klubvorsitzender, sieht in den Ankündigungen der ÖVP-Bürgermeister die SPÖ-Forderung nach einem Karfreitag als Feiertag für alle Arbeitnehmer bestätigt. Klar sei aber, dass sich alle Beschäftigten einen freien Karfreitag verdient hätten. Gleichzeitig kündigte die SPÖ parlamentarische Anfrage an die Ministerien an, ob der Karfreitag für deren Bedienstete ein freier Tag sein wird.

"Wir gönnen jedem einen arbeitsfreien Karfreitag. Was wir aber ablehnen, ist eine Vertiefung der arbeitsrechtlichen Zweiklassengesellschaft", sagte indes Neos-Arbeitsmarktsprecher Gerald Loacker. Was hierbei auf der Strecke bleibe, sei der Grundsatz "gleiches Recht für alle". Diejenigen, die keinen freien Tag haben, finanzierten jetzt mit ihrem Steuergeld "populistische Geschenke der Bürgermeister", meinte Loacker.

(APA/Red.)