Mit dem Taxi von Wien nach München

Taxi Wien nach Muenchen
Taxi Wien nach Muenchen(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Tausende Fluggäste in Schwechat gestrandet. Wer einen Platz bekam, stieg auf Mietwagen oder Taxi um – und fuhr damit auch längere Strecken. In Wiener Hotels wurde es eng.

Am Flughafen Schwechat bei Wien war der Freitag für manche ein Tag für gute Geschäfte. Zumindest bis um 18.45 Uhr der Luftraum über Österreich endgültig schloss. Freilich, Airlines und der Flughafen selbst sahen mit der nahenden Wolke aus isländischer Vulkanasche eher eine gewaltige Kostenlawine am Horizont heraufdräuen. Taxifahrer und Autoverleiher machten aber das Geschäft ihres Lebens. So eng beieinander können Erfolg und Misserfolg liegen.

Seit 20 Jahren schon kutschiert Yusuf Iman mit seinem Taxi Fluggäste zwischen dem Airport und der Wiener City. Doch so etwas wie heute hat er noch nicht erlebt. „Wer weiß wohin, der fährt einfach nur weg“, sagt er während einer kurzen Zigarettenpause. Und so mancher fährt durchaus weiter. Bereits vier seiner Kollegen hätten heute mehrere hundert Euro einbringende Fahrten von Wien bis nach München gehabt. „Wenn es jemand eilig hat, und die Firma es bezahlt: Warum nicht.“ Iman selbst war bis zum Nachmittag nur auf der Kurzstrecke unterwegs. „Meine große Fahrt kommt noch.“

Eine berechtigte Hoffnung. In der großen Abflughalle des Airports drängen sich zu diesem Zeitpunkt nämlich mehr Menschen als während der Hauptreisezeit. Beinahe jeder zweite auf der Infotafel angeführte Flug ist mit „Ausfall“ markiert. Einer der tausenden Leidtragenden ist Kai Bergmann. Während der Woche war er beruflich in Wien, Freitag wollte er zurück nach Berlin fliegen. Stattdessen reiht er sich nun in die Schlange vor dem Schalter eines Autoverleihers.

„Wir sind seit Stunden ausverkauft“, hieß es schon zu Mittag beim größten Anbieter Europcar. Trotzdem will es Bergmann bei anderen versuchen. Für den Fall, dass er tatsächlich kein Fahrzeug mehr bekommt, hat er sich einen nicht ganz ernst gemeinten Plan B zurecht gelegt: „Ich bleibe hier und laufe am Sonntag den Marathon“, grinst er und deutet mit beiden Händen auf die füllige Leibesmitte.

Für Menschen wie Bergmann bietet der Flughafen inzwischen Hilfe bei der Suche nach Hotelzimmern an. Die werden nämlich knapp. Die 3-Sterne-Kategorie ist bereits ausgebucht; in den 4- und 5-Sterne-Hotels waren die Betten schon vor dem Vulkanausbruch gut belegt. „Wir haben derzeit einen ärztlichen Leberkongress mit rund 7500 Teilnehmern in Wien“, hieß es bei Wien Tourismus: „500 Teilnehmer, die noch erwartet werden, haben jetzt zusätzlich Anreiseprobleme.“ Wenn der Flugverkehr am Montag noch immer gestoppt ist, sitzen am Ende des Kongresses aber viele der 7500 Mediziner in Wien fest. Dazu kommen etwa noch einmal so viele ausländische Teilnehmer des Vienna City Marathons (siehe Seite 22.).

Trotzdem wird die Wiener Bettenkapazität für die gestrandeten Flugpassagiere reichen, erklärt Peter Peer, Präsident der Hoteliervereinigung: Zwar könnten viele Gäste nicht abreisen, es kämen im Gegenzug aber auch deutlich weniger Gäste als geplant an.

Falls nicht, will der Flughafen aushelfen. Dort können jederzeit Notbetten für gestrandete Fluggäste aufgestellt werden.
Wien(APA/red.). Eine Maßnahme, die auch auf die ÖBB zukommen könnte. Für all jene, die bis zur Sperre des Luftraums am frühen Abend nicht auf Taxi oder Mietwagen umsteigen konnten, blieb die Eisenbahn als letzte Alternative. Entsprechend lang waren die Warteschlangen vor den Ticketverkaufsstellen.

Der Wiener Westbahnhof hatte dabei die größte Last zu tragen, weil in Schwechat festsitzende Passagiere hauptsächlich von dort aus in Richtung Deutschland oder Frankreich weiterreisen konnten. Zumindest theoretisch. Denn: Die Zahl der Fahrgäste stieg laut Angaben eines Sprechers gleich „um ein paar 100 Prozent“.

Der Bahn war es kurzfristig kaum möglich, die entsprechenden Kapazitäten zu schaffen. Je 1000 Personen beförderten drei Sonderzüge nach Deutschland. Für den Rest hieß es wie am Flughafen: Bitte warten.

Nicht betroffen von der Luftraumsperre waren Flüge mit Helikoptern oder kleineren Flugzeugen, die sich weniger hoch bewegen. Laut Austro Control sei die Gefahr von Triebwerksausfällen in diesen Bereichen des Luftraums nicht gegeben.

Ein Startverbot an den 16 Stützpunkten der ÖAMTC-Rettungshubschrauber hätte nicht unerhebliche Auswirkungen gehabt: Im Vorjahr wurden pro Tag 38 Christophorus-Einsätze absolviert. Siehe auch Seiten 21 und 22

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2010)

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