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Doping: „Beweismittel in Hülle und Fülle“

Radprofi Georg Preidler.
Radprofi Georg Preidler.(c) REUTERS (Matthew Childs)

In der Blutdoping-Causa vergeht kein Tag ohne Doping-Geständnis, doch die großen Enthüllungen stehen erst bevor. Derzeit führen die Spuren tiefer in den österreichischen Radsport.

Wien. Radprofi Georg Preidler ist dreifacher österreichischer Meister im Zeitfahren, er fuhr die Tour de France, den Giro d'Italia und die Vuelta a España. Am Sonntag hat der 28-jährige Steirer Selbstanzeige erstattet, Preidler ist der mittlerweile siebente Athlet, der nach den Doping-Razzien bei der Nordischen-WM in Seefeld und in Erfurt Blutdoping gestanden hat.

Am Montag erklärte sich Preidler in „Krone“ und „Kleine Zeitung“. Er sei von dem Zirkel um den Erfurter Sportmediziner Mark S. angesprochen worden, habe sich Blut abnehmen, aber nie rückführen lassen. Seine bisherigen Leistungen wie ein dritter Etappenplatz beim Giro 2016 seien sauber zustande gekommen, behauptet der für das französische Spitzenteam Groupama-FDJ (Thibaut Pinot) fahrende Profi.

Vor allem dürfte Preidler Recht behalten, wenn er sagt: „Es dopen nicht alle, aber die nächsten Wochen werden zeigen, was los ist.“

Die rund 40 codierten Blutbeutel, die bei der Razzia in einer Garage in Erfurt gefunden worden sind, wurden inzwischen ins Münchner Landeskriminalamt gebracht. Die Auswertung sollte sich nicht allzu schwierig gestalten, schließlich können die Behörden auf die Datenregister von Anti-Doping-Agenturen weltweit zugreifen und so die Blutbeutel zuordnen.

Der Münchner Staatsanwalt Kai Gräber ist jedenfalls überzeugt, dass sich der Skandal ausweiten wird. Die Beweislage bezeichnete er am Montag in einem ARD-Interview als „sehr erdrückend“ und sprach von „Beweismitteln in Hülle und Fülle“.

Zudem besteht die Chance, dass der in München inhaftierte Sportmediziner S. kooperieren und Namen nennen wird – es ist seine einzige Chance, die drohende Strafe abzumildern. „Er kooperiert vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden“, hatte sein Anwalt bereits erklärt. S. droht eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren. So sieht es das 2015 in Deutschland verabschiedete Anti-Doping-Gesetz bei einem gewerbs- oder bandenmäßigen Delikt vor.

In Innsbruck dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unterdessen an. Neue Verdachtsmomente über den bekannten Personenkreis hinaus gebe es aber keine, erklärte ein Sprecher am Montag. Bisher haben in der aktuellen Blutdoping-Causa sieben Athleten Blutdoping-Geständnisse abgelegt: Die Langläufer Max Hauke, Dominik Baldauf (beide AUT), Karel Tammjärv, Andreas Veerpalu (beide EST) und Alexei Poltoranin (KAZ). Außerdem die Radprofis Preidler und Stefan Denifl (beide AUT).

Letzterer wurde nun auch von der Innsbrucker Staatsanwaltschaft erstmals namentlich genannt, Ermittlungen gegen den 31-jährigen Sieger der Österreich–Rundfahrt 2017 (zuletzt beim polnischen Team CCC unter Vertrag) laufen. Bisher hatte die Behörde lediglich von einem Tiroler Radsportler gesprochen.

Den involvierten Sportlern stehen in Österreich Gerichtsverfahren wegen Sportbetrugs ins Haus, ein Delikt mit möglichen Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren.

ÖRV fordert lebenslang

Der Österreichische Radsport-Verband (ÖRV) sah sich nach den Geständnissen von Denifl und Preidler gezwungen, seine „Null-Toleranz-Haltung“ zu betonen und forderte eine unmittelbare Verschärfung der Gesetzeslage. Bei Betrugsabsicht sollten lebenslange Sperren durchgesetzt werden.

Dabei hatte gerade der rot-weiß-rote Radsport in den vergangenen Jahren und im Vorfeld der Heim-WM 2018 in Innsbruck einen Aufschwung erlebt. Verantwortlich dafür war auch Vuelta-Etappensieger Denifl. (joe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2019)