Stressbewältigung

Hauptsache, jemand spricht mit mir

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Wozu Menschen, wenn es Computer gibt?, dachten sich Forscher der MedUni Wien. Und: Kann menschlicher Zuspruch automatisiert werden? Das ist auch in der Stressforschung relevant.

Stress pur: 56 Probanden gaben Forscher der MedUni Wien eine Reihe hochanspruchsvoller Aufgaben zu lösen. Unter Zeitdruck, versteht sich, und unter den strengen Augen einer mehrköpfigen Jury.

Doch die Probanden bekamen Zuspruch von unerwarteter Seite: von einem Avater, der ihnen über eine Virtual-Reality-Brille Mut zusprach. In zwei Varianten: Einer Gruppe wurde suggeriert, hinter dem Avatar stecke ein echter Mensch. Die andere hielt ihn für einen Automaten. Eine Kontrollgruppe erhielt keinerlei Beistand.

Dann wurde bei allen Probanden als Stressmarker der Anstieg der Herzrate gemessen. Ergebnis:

  • Hielten die Probanden den Avatar für eine Maschine oder bekamen sie keine Unterstützung, stiegt ihre Herzrate vergleichbar stark an.

  • Hielten sie den Avatar für das Sprachrohr eines echten Menschen, stieg ihre Herzrate weit weniger an. Außerdem brachte sie das Urteil der Jury weniger ins Grübeln. Sie waren auch rascher zu sozialer Annäherung und Hilfestellung bereit.

Erkenntnis der Forscher: Es ist egal, ob Trost und Zuspruch durch einen echten Menschen erfolgen. Es genügt, wenn wir das glauben. Das stresssenkende Ergebnis ist dasselbe. Hauptsache, wir glauben, dass sich uns ein Mensch widmet.

Die Forscher sind begeistert: Das eröffne neue Möglichkeiten für Soziale Netzwerke und für Online Games, hieß es, aber auch etwa in der Depressionsprophylaxe oder der Telemedizin.

In der Demenzbetreuung (siehe Foto) macht man sich das Prinzip bereits zunutze. Nur zu gern kuscheln die Patienten mit beweglichen Roboterrobben, die Pieplaute von sich geben und mit den Wimpern klimpern. Ob echtes Haustier oder Pelzroboter, der heilsame Effekt ist derselbe - solange man nicht mitbekommt, dass es nur ein Roboter ist.