In Italien wollen die Fußballklubs die Spielergehälter künftig an Leistungen knüpfen. Starke Ansage! Stellt sich die Frage, welche Kriterien für millionenteure Gagen und Transfers bisher galten.
Nein, wir werden für Italiens Fußballprofis keine Kollekte brauchen. Sie sollen künftig nämlich nach Leistung bezahlt werden. Diese bahnbrechende Idee wird in den Klubräumen der Vereine heiß diskutiert. Schließlich ist die Wirtschaftskrise auch im Land des Weltmeisters am Ball. Und weil's finanziell ein bisschen eng wird, fordert etwa Lazio-Boss Claudio Lotito: „Die Fußballer haben zu viele Privilegien und wenig Pflichten.“ Der Präsident von Juventus Turin, Jean-Claude Blane, will erst wieder Gehälter bezahlen, wenn die Mannschaft gewinnt.
Wer solche Panikattacken reitet, dem steht das Wasser bis zum Hals. Wer glaubt, dass die Klubs aufgrund der Wirtschaftskrise weniger verdienen, der irrt. Die meisten Klubs in Italien, Spanien und England haben auch zuvor nichts verdient. Sie haben vielmehr (viel mehr) Schulden gemacht, immer teurere Transfers getätigt und immer astronomischere Gagen bezahlt – auch für mittelmäßige Kicker. Und das rächt sich. Die Banken geben kein Geld mehr, die Oligarchen und Ölmultis sind rar. Nun kracht es, wohin man sieht. Liverpool, Manchester United. Allein die italienische Serie A sitzt auf zwei Milliarden Euro Schulden. Inter und Milan mussten mit Ibrahimovic und Kaka das Familiensilber verkaufen. Sich an den Spielern abzuputzen, deren Leistungen für jedermann ersichtlich sind, ist billig. Und das ist auch schon das einzige Positive an dummen Ausreden: dass sie billig sind.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2010)