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Der türkise Polit-Aschermittwoch, der nicht lustig sein will

Der frühere Schwergewichtsboxer Vitali Klitschko erschien als Stargast.
Der frühere Schwergewichtsboxer Vitali Klitschko erschien als Stargast.(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)
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Kärnten. Weniger „Stammtisch-Gegröle“, mehr Appell: Wie die ÖVP eine Tradition aufbaut.

Klagenfurt. Ein bisschen verdattert sitzen die Menschen jetzt schon da, hier in der Klagenfurter Messehalle. „Are you ready?“ fragt sie gerade recht unvermittelt eine aufgezeichnete Männerstimme durch den Lautsprechern. Stille – zumindest so viel Stille, wie in einem Saal mit 1300 Personen herrschen kann. „I said: Are you ready?“, hallt es noch einmal durch den Raum. Um dann zu rufen: „Let's get ready for Europe!“ Dann bricht erster Jubel aus.

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Richtig laut wird der Applaus, als die Halle „ready for Sebastian Kurz“ (mit englischem Akzent ausgesprochen) sein soll: Der Hauptgast wird in Boxkampf-Manier, im Hintergrund ein Ring eingeblendet, angekündigt. Aber Kanzler und ÖVP-Chef Kurz gibt sich verhältnismäßig wenig kämpferisch an diesem späten Mittwochabend beim politischen Aschermittwoch der ÖVP Kärnten, sondern eher devot: „Die Fastenzeit ist ein guter Zeitpunkt, um sich bewusst zu werden, wie dankbar wir sein können, in diesem schönen Land zu wohnen.“ Man dürfe nicht vergessen, „was wirklich zählt: Friede, Freiheit, Sicherheit.“ In weiten Teilen der Welt sei das nicht selbstverständlich, meint Kurz – und führt als Beispiel auch die Ukraine an. Der ehemalige Box-Weltmeister und heutige Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, hat gerade vor Kurz zu den ÖVP-Anhängern gesprochen.

Der politische Aschermittwoch ist eine Tradition der Christlichsozialen, allerdings der Christlichsozialen in Bayern (siehe Seite 7). Entstanden in einer Zeit, als sich die Bauern im Wirtshaus trafen und von politischen Rednern am Stammtisch empfangen wurden. Nach Österreich wurde der Brauch aber von den Freiheitlichen importiert. Seit 2017 versucht die Volkspartei Kärnten nun die Veranstaltung in die eigene Parteifamilientradition zurückzuholen.

Mit dem ursprünglichen Charakter des Abends, mit deftigen Sprüchen und Speisen, mit guten und schlechten Schenkelklopfern, hat das Programm in Kärnten aber wenig zu tun. Statt „Stammtisch-Gegröle“, wie es in der Anmoderation heißt, soll es eher einen Ideenaustausch geben. Weniger Bierzelt-Stimmung, mehr politischer Diskursabend. Neben Märzen gibt es also auch Prosecco Frizzante.

Ein Wahlappell

Der markante Unterschied zur FPÖ-Veranstaltung ist natürlich gewollt: Die Volkspartei präsentiert sich als staatstragendere Partei, als ernstzunehmenderen Partner der türkis-blauen Koalition. Vor allem in Bezug auf die EU-Wahl am 26. Mai.

Der Vergleich wird an diesem Abend auch öfters mehr oder weniger subtil gezogen: Der Aschermittwoch der ÖVP sei „nicht wie bei manchen anderen Parteien, wo auf andere eingedroschen wird“, sagt Kurz. Ein paar lustige Anekdoten erzählt er schon, richtige Scherze lässt er aber aus. Lieber startet er noch einen Wahlappell: So, wie er bei der Nationalratswahl unterstützt worden sei, müsse die Volkspartei nun für die Kandidaten für die EU-Wahl rennen.

Der Listenerste, Othmar Karas, kann gleich persönlich für sich Werbung machen – und sagt zu seinen Parteikollegen: „Mit Schuldzuweisungen lösen wir kein einziges Problem.“ Das Miteinander sei auch auf EU-Ebene „unsere Antwort auf Populisten, Nationalisten und Egoisten.“ Wen Karas persönlich meint, ist klar: Sie begehen den Aschermittwoch in Ried.

(APA)