Diebstahl am Bau: Mit dem Tieflader abtransportiert

Diebstahl Tieflader abtransportiert
Diebstahl Tieflader abtransportiert(c) Clemens Fabry
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Auf Baustellen wird alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Mit Überwachung und Kontrollen versucht man, des Problems Herr zu werden. Die Betroffenen haben nicht nur den materiellen Schaden.

Wenn der Wiener Baumeister Herbert Haindl auf das Thema Diebstahl angesprochen wird, kann er nur müde lächeln. Auf seinen Baustellen wurde schon so ziemlich alles gestohlen – vom Akku mit Ladegerät für die Hilti über Mischmaschinen bis zu teuren Lasernivelliergeräten. Und nicht nur Werkzeug und Baumaterial locken Diebe an: Auf einer Baustelle in Wien hatten seine Mitarbeiter vor einiger Zeit den Bauzaun und die Halteverbotstafeln aufgestellt. „Als sie am nächsten Tag wiederkamen, um mit der Baustelleneinrichtung zu beginnen, war alles weg, der komplette Zaun bis zur letzten Schraube, die Halteverbotstafeln inklusive Ständer“, erzählt Haindl.

Professionelle Raubzüge

Die Betroffenen haben nicht nur den materiellen Schaden, sondern meist auch zusätzlichen Ärger. Im Fall des gestohlenen Baustellenzauns etwa konnte die Baustelleneinrichtung erst zwei Tage später als geplant durchgeführt werden. Es waren nochmals Halteverbotstafeln aufzustellen und dann musste 24 Stunden gewartet werden, damit die PKW-Besitzer ihre Fahrzeuge selbst entfernen können. „Der gesamte Ablauf der Baustelle wird durch solche Diebstähle durcheinandergebracht“, zeigt sich Haindl verärgert.

Diana Klein, Pressesprecherin des Baukonzerns Strabag, hat ebenfalls Erfahrungen mit Diebstählen gemacht: „Vom Nagel über Kleingeräte, die eher tagsüber gestohlen werden, bis hin zum Bagger, der abends oder in der Nacht abtransportiert wird.“

Während bei Kleingeräten eher Gelegenheitsdiebe am Werk sind, werden größere Maschinen meistens von professionell organisierten Banden entwendet. Vom Firmengelände eines Baumaschinenhändlers in Graz stahlen Diebe beispielsweise sechs nagelneue Geräte im Wert von rund 350.000 Euro. Detail am Rande: Für den Abtransport der Diebsbeute benötigte die Bande mindestens drei schwere Tieflader.

Sicherheit durch Prävention

Viele Unternehmen haben angesichts der sich häufenden Vorfälle in den letzten Jahren ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Bei der Strabag werden Baucontainer über Nacht sicher versperrt und durch Alarmanlagen von Bewachungsfirmen gesichert. Bei Kleingeräten wird eine Ausgabeliste geführt. Schwere Baumaschinen werden mit GPS-Ortungssystemen und speziellen Diebstahlseinrichtungen gesichert. Marktführer Caterpillar etwa bietet ein Softwareprogramm, mit dem eine Maschine mit dem Standardschlüssel nur noch zu definierten Zeiten gestartet werden kann. Außerhalb dieser Zeiten bedarf es eines Spezialschlüssels.

Auch Sicherheitsunternehmen bieten Baustellenüberwachung an. „Die Möglichkeiten reichen vom Revierstreifendienst über mobile Alarmanlagen bis zur ständigen Anwesenheit eines Security-Mannes vor Ort“, erzählt Erwin Bors, Geschäftsleiter der Sim.Guard Simacek Security Services. Das kostet allerdings Geld: Schon für den Revierstreifendienst müssen pro Baustelle und Monat mindestens 200 Euro lockergemacht werden.

Zumindest bei größeren Delikten zeichnet sich eine Besserung ab. Verzeichnete die Kriminalstatistik im ersten Quartal 2009 noch 186 Diebstähle von Baumaschinen und -geräten, waren es heuer nur 42. Im Bundeskriminalamt führt man diesen Erfolg vor allem auf Schwerpunktkontrollen zurück: „Wir haben die Fälle genau analysiert und auf dieser Basis zu den relevanten Zeiten verstärkte Kontrollen von Transportern mit Baumaschinen entlang der Fahrtrouten nach Osteuropa durchgeführt“, erzählt Alexander Marakovits, Pressesprecher des Bundeskriminalamtes. Rund 200 solcher Fahndungen wurden in den vergangenen zwölf Monaten durchgeführt. Auch die Wirtschaftslage dürfte das Ihre zum Rückgang der Maschinendiebstähle beitragen. Die Bautätigkeit in Osteuropa ist rückläufig, wodurch die Beute weniger begehrt sein dürfte.

AUF EINEN BLICK

Überwachung und Kontrolle:Immer mehr Sicherheitsfirmen bieten professionelle Überwachung und Schutz von Baustellen.

Auch verstärkte polizeiliche Kontrollen von Maschinentransporten konnten die Anzahl der Diebstähle im Vergleich zum Vorjahr drastisch verringern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2010)

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