Mipim: Dort, wo Investoren und Entwickler unter sich sind

Angeregter Austausch am London-Stand im Vorjahr.
Angeregter Austausch am London-Stand im Vorjahr.S. d´HALLOY - IMAGE & CO (S.d´Halloy)

Die Mipim in Cannes gilt als Stimmungsbarometer der europäischen Immobilienbranche. Auch Österreich ist stark vertreten.

Am kommenden Dienstag, 12. März, öffnet die Mipim in Cannes zum 30. Mal ihre Tore. Eigentlich ist ihre internationale Bedeutung als Forum der internationalen Immobilienwirtschaft unbestritten, trotzdem hat es sich der Veranstalter Reed Midem nicht nehmen lassen, auch diesmal wieder mit einem prominenten Eröffnungsredner aufzuwarten: mit Ban Ki-moon, dem ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen. Seine Anwesenheit soll das diesjährige Motto „Engaging the Future“ unterstreichen. Was darunter zu verstehen ist, erklärt Mipim-Direktor Ronan Vaspart so: „Das Leitthema der Konferenz betrachtet die nächsten 30 Jahre der Immobilienbranche und soll zeigen, wie die Branche zu einer technologisch fortschrittlichen, nachhaltigen und innovativen Zukunft beitragen kann.“

 

Disruptive Entwicklungen

Ein zentrales Thema, das im Rahmen verschiedener Podiumsveranstaltungen diskutiert wird, ist die Frage, wie man zu einer ökologisch nachhaltigen Immobilienwirtschaft kommen kann. Hintergrund dieses Themenkomplexes sind die hohen Energiepreise, der Klimawandel und damit verbunden neue staatliche Vorschriften, die die Branche über kurz oder lang maßgeblich verändern werden. Weiters geht es um die Frage, wie disruptive Technologien wie Virtual Reality, künstliche Intelligenz und Big Data das Immobilienmanagement und die Rentabilität im digitalen Zeitalter optimieren können. Antworten zu letzterem könnten sich auf dem heuer erstmals ausgerichteten „Young Leaders Summit“ ergeben, der sich mit den Millennials und ihrem künftigen Einfluss auf die Immobilienwirtschaft befassen wird. Dabei sollen etwa neue Entwicklungen wie die Sharing Economy, damit verbundene neue Investitionsmethoden und das gesteigerte Umweltbewusstsein der jungen Generation zur Debatte gestellt werden.

Abgesehen von all diesen Themen ist die Mipim aber vor allem ein Forum, auf dem die allgemeine Stimmung in der Branche zum Ausdruck kommt. Und die dürfte – trotz einiger Unsicherheiten in der internationalen Politik – weiterhin ungetrübt bleiben: „Der Rückenwind für uns Developer hält an“, meint etwa Thomas G. Winkler, CEO von UBM Development. „Zudem sehen wir in Europa in den nächsten zwei bis drei Jahren wenig Möglichkeiten für Zinserhöhungen, die einen Einfluss auf den Immobilienboom haben könnten.“ Wolfgang Scheibenpflug, Senior Vice President Real Estate and Landside Management des Flughafen Wien, führt zwei weitere Gründe an: „Die wirtschaftliche Nachfrage ist intakt und speziell in Wien sorgt die demografische Entwicklung für eine ungebrochene Nachfrage nach Wohn-, Betriebs- oder Logistikflächen.“

 

Österreicher in Cannes

Nicht nur für den Vienna Airport oder UBM ist die Mipim seit Jahren ein Pflichttermin: Insgesamt 27 Player der heimischen Immobilienbranche bespielen allein den von der Wiener Immobilienmarketingagentur pia.pink organisierten Rot-Weiß-Roten Austria-Pavillon. Andere sind mit einem eigenen Stand vertreten und obendrein, wie beispielsweise die CA Immo mit dem Stand Berlin Brandenburg, zusätzliche Partnerschaften eingegangen. Dass es sich hierbei nicht nur um eine passive Präsenz handelt, verdeutlicht Andreas Quint, CEO der CA Immo: „Wir loten auf der Messe das Investoreninteresse an konkreten Objekten und Projekten aus unserem Portfolio aus, beziehungsweise sind auf der Suche nach interessanten Gebäuden und Grundstücken, mit denen wir unseren Bestand ergänzen könnten.“ Die S+B Gruppe wird ihre Bauteile im Stadtentwicklungsgebiet DonauCity vorstellen (Danube Flats, DC Residential u.a.). „Daneben werden wir aber auch andere interessante Projekte wie in der Dresdner Straße und in der Laxenburger Straße zeigen“, erzählt Vorstand Wolfdieter Jarisch. Außerdem habe man große Projekte in Warschau und Bukarest in Bau oder Entwicklung. UBM-CEO Winkler verweist darauf, dass man von der prall gefüllten Pipeline zwar schon mehr als die Hälfte „forward“ verkauft habe, „aber wir haben bewusst ein paar Highlights zurück gehalten: Zum Beispiel die Büroimmobilie QBC 1 und 2 mit insgesamt 36.000 m2Mietfläche in der Nähe des neuen Hauptbahnhofs.“

Der eigene Auftritt und das viertägige, vollgepackte Konferenzprogramm sind für die Teilnehmer jedenfalls eine Herausforderung und so verwundert es nicht, dass man zumindest auf den Abendveranstaltungen und Side-Events etwas „herunterzukommt“. Quint etwa will sie für den informellen Austausch nutzen, „aus dem sich dann unter Umständen auch Geschäftsanbahnungen ergeben.“

INFO

Die diesjährigeMipim findet vom 12. bis 15. März statt. Im Vorjahr verzeichnete die renommierte Immobilienleitmesse 26.500 Besucher aus 100 Ländern und 5.400 Investoren. Österreichische Unternehmen sind auch heuer wieder stark vertreten: 27 sind es allein im von der Wiener Immobilienmarketingagentur pia.pink organisierten Austria-Pavillon.

www.mipim.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2019)