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Gastkommentar

Der Lohnunterschied sitzt im Kinderwagen

APA/dpa/Marcus Brandt
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Es gibt nicht nur zwischen Frauen und Männern Lohnunterschiede, sondern auch zwischen Frauen und Frauen.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

Der Internationale Weltfrauentag bietet jährlich den idealen Anlass, um über die zwischen Männern und Frauen klaffende Gehaltsschere zu diskutieren. Abseits aller Zahlenspielereien sollte man der Wahrheit ins Auge blicken. Fakt ist, dass die Lohnunterschiede hauptsächlich auf die berufliche Unterbrechung aufgrund der Kindererziehung zurückzuführen sind.

Dass Frauen weniger als Männer verdienen, ist in dieser alten Diskussion nichts Neues. In der öffentlichen Debatte werden aber leider oft Äpfel mit Birnen verglichen. Frauen und Männer arbeiten oft in unterschiedlichen Berufen und Branchen und haben unterschiedliche Arbeitszeiten. Wenn über gleiche Bezahlung gesprochen wird, sollten Äpfel mit Äpfeln verglichen werden. Auch dann klafft oft noch eine Lücke zwischen den Geschlechtern. Warum ist das so?

Die Antwort ist klein, süß und hat ein bezauberndes Lächeln: unsere Kinder. Es ist immer noch so, dass sich hauptsächlich Frauen eine Auszeit vom Job nehmen und um die Kleinen kümmern. Häufig geschieht dies in einer beruflichen Phase, in der die Weichen für die Karriere gestellt werden. Auch die Wissenschaft hat sich dieser Frage angenommen und findet Belege dafür, dass Karenzzeiten dafür verantwortlich sind, dass auch Jahre danach der Verdienst geringer ausfällt.

Tatsächlich hat dies dann gar nicht so viel mit dem Geschlecht zu tun. Mütter verdienen nicht nur weniger als Männer, sondern auch weniger als ihre kinderlosen Kolleginnen, wie wir in unserer aktuellen Studie „Kinder machen den Unterschied“ darstellen. Darin haben wir Frauen verglichen, die sich nur durch die Geburt eines Kindes unterscheiden. So verdienen Mütter auch zehn Jahre nach der Geburt nur 67 Prozent ihrer kinderlosen „Zwillingsschwester“.

Auch Männer erleben das, wenn sie ähnlich lang in Karenz gehen. Was sie allerdings viel seltener tun. Die Aufteilung der Familienarbeit sieht hierzulande immer noch die Hauptrolle bei den Müttern.

Soll man die Männer zwingen, sich mehr an der Kindererziehung zu beteiligen? Nicht unbedingt, denn die Entscheidung darüber, wer sich in der Familie der Kinderbetreuung widmet, ist eine private, und das soll sie auch bleiben. Allerdings müssen Anreize gesetzt werden, damit die Entscheidung, zu arbeiten oder nicht zu arbeiten, wirklich eine freie Entscheidung und nicht der Situation geschuldet ist.

Karenz für alle, aber kürzer

Was sollte also getan werden? Damit sich die Lohnunterschiede nicht zementieren, ist es entscheidend, die Karriereunterbrechung möglichst kurz zu halten. Daher sollte man die Karenzzeiten kürzen, diese aber jedem Partner gewähren. Zum Beispiel jedem Partner ein Jahr, ohne dass die nicht genommene Zeit übertragen werden kann. Damit die kürzeren Karenzzeiten umsetzbar sind, müssen die Kinderbetreuungsangebote vor allem auf dem Land noch ausgebaut werden.

Für eine familienfreundliche Lösung wären Betreuungsgutscheine denkbar. Wichtig ist dabei, dass das Geld immer dem Kind folgt, egal, ob es in einen öffentlichen oder privaten Kindergarten oder zu einer Tagesmutter geht. Auch betriebliche Kinderbetreuung könnte ausgebaut werden. Viele Unternehmen klagen über Fachkräftemangel – gleichzeitig arbeiten viele Frauen Teilzeit oder bleiben dem Arbeitsmarkt ganz fern, weil die Betreuung der Kinder nicht möglich ist.

Solang sich an den langen Karenzzeiten der Frauen nichts ändert, wird sich auch am Gender Pay Gap wenig ändern. Dafür braucht es Väter, die in Karenz gehen und sich Zeit für die Betreuung ihrer Kinder nehmen. Sonst wird sich die Diskussion weiterhin im Kreis drehen.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2019)