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Die Operndiva begeistert auch im Liedgesang

Krassimira Stoyanova
Krassimira Stoyanova(c) Clemens Fabry
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Kritik Krassimira Stoyanova sang Tschaikowsky, Strauss und Rachmaninow im Musikverein.

Unverwechselbar klang Tschaikowsky bereits in einem seiner frühen Lieder von 1869: Trauer, Verzweiflung, doch kein Selbstmitleid hörte man in der Klage um einen toten Freund. Und die Vertonung von Heines „Ich wollt, meine Schmerzen ergössen sich“ rückte hörbar in die Nähe des „Eugen Onegin“, dessen Klangwelt in ,,Es war im Frühling“ bereits voll entwickelt scheint, als wäre es ein Monolog von Puschkins Tatjana. Dramatische Intensität in Rede und Gegenrede von Mutter und Kind prägten das „Wiegenlied“. In eine Idylle führten die russischen Volksliedern nachgebildeten Klänge von „War ich nicht ein kleiner Grashalm“: Die Klage eines Mädchens, das mit einem alten Mann verheiratet werden soll, berührte gerade wegen ihrer Schlichtheit.

Genauso sensibel traf Stoyanova den Ton der anderen Komponisten. So beschwor sie beeindruckend die Abend- und Abschiedsstimmung der „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss: Höchste Gesangskultur, die sanftes Vibrato mit weichem Timbre verquickt, machten vor allem das abschließende „Im Abendrot“ zu jenem Abgesang auf die europäische Kultur, den der altersweise Strauss wohl im Sinne hatte. Auch bei zwölf Liedern von Rachmaninow zeigte sie die breite Palette ihrer Gesangskultur, von den rezitativischen „Margeriten“ bis zu geradezu zornig mit dem Unglück hadernden Klagegesängen wie „Der Traum“.

Kongenialer Begleiter am Klavier war Jendrik Springer: Er intensivierte die immer wieder hervorbrechende Dramatik virtuos, ersetzte auch in den Strauss-Liedern die Farbenpracht des Orchestersatzes. Für den lang anhaltenden Jubel dankten Zugaben, darunter die Arie der Mimi aus dem dritten Akt der „Bohème“.

Nächste Auftritte in Österreich: 12. Mai im Musikverein mit der Schlussszene aus Strauss' ,„Capriccio“, im August bei den Salzburger Festspielen in Verdis „Messa da Requiem“ unter Riccardo Muti.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2019)