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Alt, weiblich, arm: Frauen in der Falle

Frauen sind im Alter stärker von Armut betroffen als Männer.
Frauen sind im Alter stärker von Armut betroffen als Männer.(c) Bilderbox
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Kinderbetreuung ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund, warum Frauen viel weniger Pension bekommen als Männer. Es fängt bei der Berufswahl an, sagen Experten.

Wien. 30 Jahre und mehr arbeiten und dann doch nur eine Pension beziehen, die das tägliche Leben mit Ach und Krach abdeckt – oder nicht einmal das. Dieses Los blüht in Österreich vor allem Frauen. Die Zahlen sprächen für sich, meinten Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) und der Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Alexander Biach, am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung des Finanzjournalistenforums.

Von 1,7 Millionen Österreichern über 65 Jahre sind laut Statistik Austria und EU-SILC 201.000 (zwölf Prozent) armutsgefährdet: Mit 139.000 sind mehr als doppelt so viele Frauen betroffen wie Männer (62.000). International liegt Österreich, was Altersarmut betrifft, an neunter Stelle (siehe Grafik). Ein geringer Trost: In reichen Ländern wie Schweden und vor allem Deutschland sind weit mehr Menschen bzw. Frauen betroffen.

Krasse Unterschiede

Ein Blick in die Statistik festigt das Bild, dass Frauen häufiger Gefahr laufen, im Ruhestand ihren Lebensstandard stark einschränken zu müssen. Während Männer im Vorjahr (im Median) eine Pension von 2232 Euro brutto pro Monat bezogen, erhielten Frauen 1133 Euro. Die starke Kluft gibt es sowohl bei ASVG-Versicherten als auch bei Selbstständigen, wie Biach berichtete. Anders sieht es bei Beamten aus: Da besteht nur ein geringes Gefälle – 2985 Euro brutto monatlich gegenüber 2825 Euro.

Traditionelle Berufswahl

So viele Gründe – so viele Studien. Im Wesentlichen läuft es auf wenige Faktoren hinaus: „Wir müssen schon in der Schule ansetzen, um mehr Mädchen in technische Berufe zu bekommen“, sagt Bogner-Strauß. Trotz großer Bemühungen hat sich bei der Berufswahl nicht viel geändert: Die drei beliebtesten Lehrberufe bei Mädchen sind immer noch Verkäuferin, Sekretärin und Friseurin. Dort werden jedoch niedrige Gehälter gezahlt. Dazu kommt das niedrigere Pensionsantrittsalter. Das reguläre Pensionsalter für Frauen wird erst ab 2024 schrittweise bis 2032 an das der Männer (65 Jahre) angepasst. Damit hinkt Österreich weit hinter anderen EU-Ländern nach.

Die Krux mit der Teilzeit

Hauptursache für die Kluft bei den Pensionen ist jedoch die bei Frauen weitverbreitete Teilzeitarbeit. Das hängt hauptsächlich – aber nicht nur – damit zusammen, dass Frauen überwiegend für die Kinderbetreuung zuständig sind. Frauen würden generell gern Teilzeit arbeiten, verwies Bogner-Strauß auf ein hierzulande „gesellschaftlich tradiertes Phänomen“. Das böse Erwachen komme dann im Alter – beim Blick auf das Pensionskonto. Das übrigens transparenter werden soll. Biach untermauerte die Nachteile zu langer Teilzeit mit einem Vergleich: Eine Frau ist nach der Karenz 108 Monate arbeitslos, sie kommt (inklusive Ersatzmonate für Kindererziehung und Arbeitslosigkeit) mit rund 390 Beitragsmonaten auf 1436 Euro Pension. Ist die Frau nach der Karenz 108 Monate teilzeitbeschäftigt (und arbeitet dann wieder voll), erhält sie bei etwa gleich vielen Beitragsmonaten nur 1335 Euro Pension.

Maßnahmenbündel

Bogner-Strauß will mehrfach ansetzen: Dabei geht es ihr einerseits um eine Bewusstseinsänderung vor allem bezüglich Teilzeit. „Wir haben 70.000 zusätzliche Kinderbetreuungsplätze geschaffen, der Anteil an Teilzeitarbeit ist nicht gesunken.“ Frauen müssten die Folgen langer Teilzeitarbeit bewusst gemacht werden. Viel verspricht sich die Ministerin davon, das Pensionssplitting verpflichtend zu machen – mit Opt-out-Variante. Das Modell sieht vor, dass während der Kinderkarenz Pensionsbeiträge zwischen den Eltern gesplittet werden. Im Vorjahr stieg die Zahl der Anträge auf 412 – angesichts von 80.000 Geburten sei das dennoch viel zu wenig. Private Vorsorge sei ein weiterer Baustein. Die könne sich aber nur jemand leisten, der genug verdiene, betonte Biach. Womit sich der (Teufels)-Kreis schließt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2019)