René Benko kauft sich ein Denkmal

Das Chrysler Building, ein Meisterwerk des Art Deco, an der 42. Straße in Manhattan.
Das Chrysler Building, ein Meisterwerk des Art Deco, an der 42. Straße in Manhattan.(c) REUTERS (Mike Segar)

Schon wieder ein Coup des Tiroler Immobilientycoons: Jetzt kauft René Benko angeblich das Chrysler Building in New York. Ein neues Geschäftsgebiet? Oder bloß ein neues Statussymbol für den 41-Jährigen?

Es geht wieder rund. Jedenfalls für jene Österreicher, die sich der Neigungsgruppe „Argwohn und Häme“ zugehörig fühlen. Der 41-jährige Tiroler Unternehmer René Benko kauft angeblich das traditionsreiche Chrysler Building in New York. Offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, bloß eine schlanke Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. Und da heißt es: Benko kaufe das weltberühmte Immobilienjuwel gemeinsam mit der US-Firma RFR. Beide, Benko und RFR, seien zu gleichen Teilen an einem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt, das am Freitag eine Kaufvereinbarung mit dem Besitzer des 1930 erbauten New Yorker Wahrzeichens unterschrieben habe. Und: Für das Hochhaus werden bloß schlappe 150 Millionen Dollar bezahlt.

Für einen Aufreger reicht das allemal. Wobei man sich beim Alterieren nicht ganz einig war: Das Spektrum der Kritik reichte von „Frechheit: viel zu billig“ bis hin zu „Frechheit: woher hat Benko das viele Geld?“

Ja, René Benko lässt offenbar keinen kalt. Im vergangenen Herbst brachte es das deutsche „Handelsblatt“ recht gut auf den Punkt: „Weil er für derart viel Reichtum erstaunlich jung ist, ein Ex-Model als zweite Frau hat, eine 60-Meter-Jacht, diverse Chalets und Privatjets besitzt.“ Das klingt nach ganz schön viel unkritischer Bewunderung, also legte die Zeitung nach: „Weil in seinem Umfeld österreichische Ex-Kanzler und Spitzensportler als Spezi zu finden sind, zumindest früher einige eher dubiose Geschäftspartner und ... ach ja... weil er angeblich eine Vorliebe für Ferraris und Kaschmirmäntel mit Pelzbesatz hat.“

Dem „Handelsblatt“ ist es also genauso gegangen, wie vielen anderen Menschen auch: René Benko wird durchaus bewundert, für das, was er, der Schulabbrecher, wirtschaftlich erreicht hat. Aber Naserümpfen muss halt auch sein – über sein „neureiches Gehabe“, über sein „unsympathisches Protzen“. Gefolgt von bedeutungsvollem Kopfschütteln: Wie lang das wohl alles noch gut gehen wird?

Deal um Deal. Der Artikel im „Handelsblatt“ ist im vergangenen Oktober erschienen. Da ist Benko gerade bei der angeschlagenen deutschen Warenhauskette Galeria Kaufhof eingestiegen. Drei Jahre davor hatte er die deutschen Karstadt-Filialen übernommen. Die von ihm schon lang auf dem Reißbrett entworfene Fusion der beiden zu einem sogenannten „Warenhausriesen“ war somit perfekt.

Die Zeitungen, die über diesen Mega-Deal berichtet hatten, waren gerade erst im Altpapier gelandet, da schlug Benko neuerlich zu. Diesmal wieder in Österreich: Im November 2018 wurde seine erste Investition im Medienbereich offiziell – die Übernahme von Anteilen an den Tageszeitungen „Krone“ und „Kurier“.

Deutsche Kaufhäuser, österreichische Medien – René Benkos Bauchladen wird immer größer. Oder nennen wir es respektvoller Imperium. Das heißt Signa und zählt rund 45.000 Mitarbeiter. Laut „Handelsblatt“ gab es zuletzt einen Gewinn von 1,12 Milliarden Euro. Nach Steuern.

Gegliedert ist der 1999 gegründete Konzern in einen Immobilien- und einen Handelsbereich. Allein die Immobilien haben einen Wert von rund 14 Milliarden Euro. Als Prunkstücke gelten in Wien das Park Hyatt Vienna, die ehemalige Bank-Austria-Zentrale am Hof. Oder die ehemalige Postsparkasse, errichtet von Otto Wagner. Die Neuerfindung der Wiener Luxusmeile „Goldenes Quartier“ geht ebenfalls auf das Konto der Signa wie das architektonisch außergewöhnliche Kaufhaus Tyrol. Um nur einige wenige glamouröse Beispiele zu nennen.

Und im Retailbereich ist im vergangenen Jahr auch noch Kika/Leiner dazugekommen.

René Benko kann also durchaus zufrieden sein. In jeder Hinsicht. Im letzten Reichen-Ranking des US-Magazins Forbes hat er erstmals Einzug gehalten – er brachte es gleich von Platz null auf Platz 365. Sein Vermögen wird auf 4,9 Milliarden Dollar geschätzt.

Doch Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich. Gesellschaftliche Anerkennung hat ebenfalls ihren Wert. Auch da kann sich Benko nicht beklagen, und auch daran hat er über die Jahre behände gearbeitet.

Für seinen Beirat hat er immer schon auf klingende Namen wert gelegt: Ex-SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer sitzt dort ebenso wie die ehemalige FPÖ-Politikerin und nunmehrige Wüstenrot-Chefin Susanne Riess. Berater Roland Berger ist dort vertreten, detto die Ex-Banker Karl Samstag (Bank Austria) und Karl Sevelda (Raiffeisenbank International).

So etwas ist gut für das wirtschaftliche Netzwerk. Und macht so nebenbei salonfähig. Mittlerweile ist die (seltene) Anwesenheit des René Benko so etwas wie die Krönung eines abendlichen Events. Kanzler Sebastian Kurz kann sich als Gastgeber jedenfalls stets darüber freuen.

Reichtum, Luxus, beruflicher Erfolg, gesellschaftliche Anerkennung: Was will man mehr? Ein Denkmal vielleicht?

Womit wir zurück beim Chrysler Building wären. Immobilenexperten zweifeln daran, dass das Schmuckstück in René Benkos unternehmerisches Konzept passt.

Andererseits: Das knapp 320 Meter hohe Chrysler Building an der 42. Straße in Manhattan steht seit Anfang dieses Jahres zum Verkauf. Das Investmentunternehmen Mubadala aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hat es im Jahre 2008 für rund 800 Millionen Dollar erworben. Beziehungsweise 90 Prozent der Immobile. Die restlichen zehn Prozent blieben im Besitz der Immobilienfirma Tishman Speyer.

Und die Gelegenheit könnte nicht besser sein: Der New Yorker Immobilienmarkt macht gerade schwere Zeiten durch. Etliche neue Wohnungen und Büros werden feilgeboten, die Preise für ältere Gebäude fallen. Insider berichten jedenfalls, dass eine ganze Delegation aus den Emiraten vergangene Woche in Wien war. Und zwar im Park Hyatt von René Benko.

Vielleicht reizt es ihn einfach, ein Meisterwerk des Art Deco zu erwerben? Vielleicht geht es Benko schlicht um ein weiteres Statussymbol? Zugeben würde er das wohl nie.

Aber es passt ins Bild. Denn das New Yorker Prunkstück hat eine gewisse Geschichte als Symbol des Sich-in Szene-Setzens.

Die Grundsteinlegung für das Chrysler Building fand im September 1928 statt. Und Bauherr Walter Percy Chrysler quälte eine große Sorge: Der gleichzeitig geplante Bank of Manhattan Tower könnte dem Chrysler Building den Rang als höchstes Gebäude New Yorks streitig machen.

Chrysler gewann – mit einem Trick: Erst am Schluss wurde eine 56 Meter hohe Spitze auf den Wolkenkratzer gesetzt, womit es 319 Meter maß. Das Hochhaus der Bank of Manhattan brachte es „nur“ auf 283 Meter.

Alles Makulatur. Ein Jahr später gab es das Empire State Building mit 381 Metern Höhe. Und das Hochhaus der Bank of Manhattan heißt übrigens längst Trump Building.