Dylan McKay vs. Laura Palmer

Oder: Warum manche alte Serien kaltlassen und andere verschwiegen werden.

Die Reaktionen auf den überraschenden Tod von „Beverly Hills, 90210“-Star Luke Perry (alias Dylan McKay) mit gerade einmal 52 Jahren haben wieder einmal gezeigt, wie wenig berechenbar die Wirkung popkultureller Phänomene auf Menschen verschiedener Alters- und Interessengruppen ist. Während manche mit Luke Perry quasi einen Jugendfreund verloren und entsprechend reagiert haben, war er anderen (in der ungefähr selben Altersgruppe) kaum ein Begriff und schon gar kein Anliegen.

Das hat zum Beispiel auch damit zu tun, dass viele je nach Alter eben die gymnasiastische Luke-Perry-Serie (Start 1990), das studentische „Melrose Place“ (Start 1992) oder die (inzwischen kultige und mit „How I Met Your Mother“ paraphrasierte) Wohngemeinschaft von „Friends“ (Start 1994) verfolgt haben. Oder nur zwei davon oder gar alle drei. „Friends“ hat mit Jennifer Aniston den einzigen echten Weltstar hervorgebracht, der sich auch unabhängig von einem dieser Serienauftritte dauerhaft einen Namen machen konnte.

Obwohl unter dem Label Serie diskutiert, hat keines dieser TV-Formate auch nur ansatzweise mit jenem Phänomen zu tun, das in den vergangenen zehn Jahren zum erfolgreichsten und auch künstlerisch interessantesten Bewegtbildformat wurde. Dafür gibt es nur einen echten Vorläufer aus der „Beverly Hills, 90210“-Zeit: nämlich David Lynchs „Twin Peaks“. FBI-Agent Cooper begab sich ebenfalls ab 1990 auf die Suche nach dem Mörder von Laura Palmer.

Während aber oben erwähnte Teenie-Serien im quotenträchtigen Vorabendprogramm liefen, war Lynchs Mysterypuzzle in die Spätabend-Kunstschiene verbannt, was es an einer größeren Verbreitung hinderte und vor allem jüngeren Sehern den Zugang verwehrte. Zehn Jahre vorher dominierten übrigens mit „Dallas“ und „Dynasty“ zwei US-Serien, auf die überraschend selten Bezug genommen wird.

Während der Konsum auch von schlechten US-Serien jederzeit mit einem Lachen eingestanden wird, hat deutschen Erzeugnissen im Serienformat offenbar nie jemand zugesehen: „Die Schwarzwaldklinik“, „Das Erbe der Guldenburgs“ oder „Freunde fürs Leben“ werden kaum einmal überhaupt erwähnt, obwohl (vielleicht auch nur mangels Alternativen) die Zuschauerzahlen und damit die Verbreitung doch beträchtlich gewesen sind.

florian.asamer@diepresse.com