737 Max 8: Ein Problemflieger bedroht den US-Flugzeugbauer Boeing

CHINA-ETHIOPIA-KENYA-PLANE-CRASH
APA/AFP/STR

Binnen fünf Monaten sind zwei Flugzeuge des US-Flugzeugbauers Boeing abgestürzt. China zieht die Konsequenzen und lässt das Modell nicht mehr abheben. Was ist los mit der Boeing 737 Max 8?

Weniger Treibstoffverbrauch, weniger CO2-Emissionen und weniger Lärm auf der Mittelstrecke: Das verspricht die Boeing 737 Max 8 und es ist das, was viele Fluggesellschaften wollen. Mehr als 5000 Bestellungen sind für die neue Version des Boeing-Mittelstreckenklassiker eingegangen, rund 350 Flugzeuge sind in Betrieb – beziehungsweise sie waren es. Denn nun hat die chinesische Luftfahrtaufsicht CAAC 96 Maschinen die Flugerlaubnis entzogen. Indonesien erließ ebenfalls ein vorläufiges Flugverbot. Auch Ethiopian Airlines und die Cayman Airways lassen ihre Flugzeuge vorerst am Boden.

Grund ist ein tragisches Flugzeugunglück am Sonntag in Äthiopien, bei dem alle 157 Insassen ums Leben kamen, darunter auch drei Ärzte aus Österreich. Warum die Maschine der "Ethiopian Airlines" abgestürzt ist, ist noch nicht bekannt, allerdings handelt es sich schon um den zweiten Absturz einer 737 Max 8 innerhalb von fünf Monaten. Am 29. Oktober 2018 war ein Jet der Fluglinie Lion Air nur elf Minuten nach dem Start in Jakarta in Indonesien ins Meer gestürzt.

Von Boeing gibt es keinen Kommentar zu Chinas Entscheidung. Sicherheit sei das wichtigste, heißt es in einer Aussendung des US-Flugzeugbauers. Man arbeite eng mit den Behörden zusammen, wisse allerdings noch zu wenig über die Unglücksursache in Äthiopien.

Kritik an Bordsystem MCAS

Die Chinesen begründen ihr Flugverbot für die 737 Max 8 unterdessen mit einer gewissen Ähnlichkeit der beiden Fälle. Denn beide Maschinen sind während der Startphase abgestürzt. Auch zum Lion-Air-Unglück in Jakarta gibt es noch keinen Abschlussbericht. Allerdings weiß man schon wesentlich mehr: Nach dem jetzigen Ermittlungsstand hat der Anstellwinkel-Sensor falsche Werte an die Bordsysteme geliefert. Darauf soll das neue "Maneuvering Characteristics Augmentation System" (MCAS) reagiert haben und die Position automatisch korrigiert haben.

Das MCAS wurde von Boeing eigens für die 737 Max entwickelt und ist ein Schritt weiter hin zum autonomen Fliegen. Die Piloten können das System allerdings mittels Schalter im Cockpit wieder abstellen.

Bei dem Absturz in Jakarta ist das aber offenbar schief gelaufen: Der Bordcomputer soll die Nase des Flugzeugs immer wieder nach unten gedrückt und die Crew versucht haben, sie nach oben zu steuern. Was außerdem bekannt ist: Bereits bei einem Flug von Bali nach Jakarta am Tag vor dem Absturz hatte der Bordrechner widersprüchliche Angaben zu Flughöhe und -geschwindigkeit gemacht. Das vorläufige Urteil der Ermittler: "Das Flugzeug war nicht flugtüchtig und hätte nicht fliegen sollen."

Wer auf die 737 Max setzt

Das Mittelstreckenflugzeug Boeing 737 gibt es bereits seit 1967 – und es ist zweifellos ein Bestseller. Die Serie Max 8 ist seit 2017 auf dem Markt ist und wurde von zahlreichen Fluglinien bestellt.

In Europa sind bereits Turkish Airlines mit dem 737 Max unterwegs. In Österreich setzt die AUA auf der Kurz- und Mittelstrecke auf Modelle von Airbus und Embraer. Ganz anderes die Laudamotion-Mutter Ryanair. Die irische Billigfluglinie setzt künftig voll auf das Modell 737 Max. Ryanair ist erster Kunde der Version Max 200, die auf der Max 8 basiert und bis zu 200 Passagieren Platz bieten soll. 135 Flugzeuge wurden bestellt, noch ist allerdings keine der Maschinen im Einsatz, der Erstflug soll heuer absolviert werden.

Schon mit der 737 Max 8 unterwegs ist die Fluglinie Norwegian, 18 Maschinen sind im Einsatz, 110 wurden bestellt.

Die erste deutsche Fluglinie, die auf den 737 Max 8 setzt, ist Flytui, Tochter des Reisekonzerns Tui. Das erste Flugzeug wurde im Dezember auf den Namen „Kittilä“ getauft, eine Region im Lappland. Die neuen Flugzeuge – 72 hat TuiFly bestellt – sollen zu Botschaftern der Tui-Urlaubsregionen werden. Ende März sollen die ersten abheben, so war zumindest bisher der Plan.

APA

Die Billigfluglinie "Flydubai" kündigte unterdessen an, dass sie auf Boeing vertraut und dem 737 Max weiterhin die Treue hält. Auch ein US-Behördenvertreter erklärte, er könne das Flugverbot Chinas beim jetzigen Wissensstand nicht nachvollziehen. 

Etwas anders sieht das Experte David Soucie, der früher für die US-Luftfahrtbehörde FAA als Sicherheitsexperte tätig war. Gegenüber CNN sagte er, dass er noch nie von einem bestimmten Flugzeugtypen abgeraten hat. Nun spricht er sich allerdings gegen einen Flug mit der 737 Max aus, die für die US-Fluglinien American Airlines, United und Sothwest im Einsatz ist.

>>> Interview mit David Soucie auf "CNN"

(sk)