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Österreichische und Deutsche Post verbünden sich im Paket-Geschäft

APA/HANS PUNZ

Die Österreichische Post hat einen Konkurrenten weniger und dafür einen Partner mehr: Sie übernimmt im Laufe des Jahres 2020 den Großteil des Zustellgeschäftes der deutschen DHL in Österreich.

Die Österreichische Post und die Deutsche Post DHL Group haben eine langfristige Partnerschaft vereinbart. Die Kooperation unterliegt noch der Prüfung der österreichischen und deutschen Wettbewerbsbehörden. Unter der Voraussetzung einer positiven Entscheidung soll die Kooperation noch im Jahr 2019 starten und eine Zustellung von Paketen in Österreich über die Österreichische Post erfolgen. Weiters ist vorgesehen, Mitarbeiter und einen Großteil der betroffenen Logistik-Standorte zu übernehmen, teilte die Österreichische Post am Dienstag mit.

Voraussetzung ist grünes Licht der Wettbewerbsbehörden in Österreich und Deutschland. Die DHL-Mutter Deutsche Post sprach heute in einer Pressemitteilung von einer "langfristigen Partnerschaft zur Forcierung des Paketgeschäfts". Weitere Kooperationsmöglichkeiten im Bereich E-Commerce würden geprüft. Weiters betonten die Deutschen: "Die Vereinbarung hat keinerlei Auswirkung auf die Aktivitäten von Deutsche Post DHL Group im internationalen Expressgeschäft, beim Frachttransport und bei Supply-Chain-Lösungen in Österreich."

"Die Zusammenarbeit soll beide Parteien in die Lage versetzen, gemeinsam das Potenzial im wachsenden, grenzübergreifenden E-Commerce-Geschäft auszuschöpfen und verbindet die Stärken der beiden Unternehmen in ihren jeweiligen Zustellnetzen", so die Post AG. Wobei: Der Einstieg des US-Onlineriesen Amazon in die Paketzustellung in Österreich dürfte den Druck auf die Post und DHL zuletzt deutlich erhöht haben.

Der Erste Group-Analyst Christoph Schultes meinte zu Jahresbeginn, Amazons Markteintritt könnte dazu führen, dass das deutsche Logistikunternehmen mittelfristig ungefähr drei Millionen Paketen weniger ausliefern wird. Für DHL werde es unter diesen Umständen "schwierig, wenn nicht sogar unmöglich" profitabel zu werden. Dies könnte wiederum zu einer Wiederaufnahme der Partnerschaft mit der Österreichischen Post führen, vermutete der Wertpapierexperte bereits im Jänner.

Im Vorjahr hatte die Post AG 108 Millionen Pakete transportiert, bis 2022 sollen es 150 Millionen sein. "Mit dieser Kooperation wird ein wichtiger Schritt gesetzt dieses Ziel bereits früher zu erreichen", so Postchef Georg Pölzl. Ihm ist damit nach dem Rückschlag bei der Suche nach einem Finanzpartner als Ersatz für die BAWAG und der Aufregung über die Datensammlung durch die Post nun ein Coup gelungen.

Zur Vorschau für heuer meinte er: "Der stabile Ausblick für das operative Ergebnis der Österreichischen Post im Jahr 2019 bleibt vor dem Hintergrund steigender Paketmengen, aber auch steigender Investitions- und Integrationskosten unverändert."

 

Zusammen 75 Prozent Marktanteil

Kommt es zur geplanten Zusammenarbeit mit  Konkurrenten DHL,  dann würde die Post künftig drei von vier Paketen in Österreich befördern. Denn die Post hat alleine laut Branchenradar 47 Prozent am Paketmarkt, DHL Paket als Nummer zwei kommt auf 27 Prozent.

Konkurrenz hätte die Post künftig noch durch Hermes, die 2018 knapp 12 Prozent der Pakete beförderten, DPD (10 Prozent) und Amazon. Der US-amerikanische Digitalriese ist erst Ende 2018 in den heimischen Markt eingestiegen und hat nördlich von Wien ein Verteilzentrum eröffnet. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr spricht "Branchenradar" Amazon einen Marktanteil von zwei Prozent zu, wobei das Unternehmen vorerst auf Wien konzentriert ist.

Der Kuchen um den es geht ist groß und wächst dank Internethandel rasant. Im Geschäftskundensegment stieg das Volumen 2018 um 2,1 Prozent auf 95 Millionen Stück, im Konsumentengeschäft sogar um 14,6 Prozent auf fast 133 Millionen Stück. Die Retouren legten um 16 Prozent auf 28 Millionen zu.

Auch im Jahr 2018 bescherte der Paketdienst der Post die schwarzen Zahlen: Das Wachstum im Paketgeschäft mit 11,5 Prozent auf 552 Millionen Euro hat den Rückgang im Briefgeschäft um 2,5 Prozent auf 1,412 Milliarden Euro ausgeglichen.

 

(APA)