Auch Österreich sperrt Luftraum für Boeing 737 Max 8

Boeing 737 Max 8 dürfen in immer mehr Ländern nicht mehr starten und landen
Boeing 737 Max 8 dürfen in immer mehr Ländern nicht mehr starten und landenREUTERS

Immer mehr Länder erteilen Boeings Unglücksmodell 737 Max 8 Flugverbot, immer mehr Airlines stoppen die Flüge. Die US-Luftfahrtbehörde FAA erließ dagegen kein Startverbot.

Nach zwei Flugzeugabstürzen innerhalb weniger Monate zieht die Furcht vor weiteren Zwischenfällen mit Boeings jüngsten Jets immer weitere Kreise. Österreich kündigte am Dienstagnachmittag an, den Luftraum für die Boeing 737 Max 8 zu sperren. Demnach habe Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) entschieden, die Flugzeuge bis auf weiteres im österreichischen Luftraum zu "grounden", hieß es in einer Aussendung.

"Sicherheit ist in der Luftfahrt oberste Priorität. Offenbar gibt es bei diesem Boeing-Typ massive Probleme, die letztlich auch der Grund für zwei Abstürze gewesen sein dürften. Zum Schutz von Passagieren, Piloten und Crew-Mitgliedern habe ich mich auf Basis der derzeit vorliegenden Fakten dazu entschlossen, dieses 'Grounding' für den österreichischen Luftraum zu veranlassen", so Hofer.

Als erste europäische Länder schlossen Großbritannien und Deutschland vorsorglich den Luftraum für die Boeing 737 Max 8, Irland und Frankreich schlossen sich ebenfalls an. Der südostasiatische Stadtstaat Singapur - eines der wichtigsten Drehkreuze der Luftfahrt weltweit - verhängte am Dienstag ebenfalls ein Startverbot. Dem schloss sich der Nachbarstaat Malaysia an. Die Flugsicherheitsbehörde in Australien erklärte ebenfalls, die Maschinen dürften dort vorübergehend nicht mehr starten oder landen. China und Indonesien hatten den neuen Boeings bereits am Montag ein Startverbot erteilt. 

Viele Airlines stoppen Unglücksmodell vorerst

Auch zahlreiche Airlines stoppen das Unglücksmodell 737 Max 8. Nach dem Flugverbot für Großbritannien erklärte der weltgrößte Reisekonzern TUI, der 15 Maschinen in Schweden und Belgien besitzt, einen sofortigen Stopp. Auch die europäische Fluglinie Norwegian fliegt vorerst nicht mehr mit der 737 Max 8. Bei der AUA und Laudamotion ist das Modell nicht im Einsatz.

Seit 2017 hat Boeing rund 350 Maschinen ausgeliefert, 5000 wurden bestellt. In Deutschland steht bei TUI die Einführung der jüngsten Version des Boeing-Verkaufsschlagers im April an. Bei bisher 6500 Flügen hätten die TUI-Piloten bisher keine Probleme gehabt, sagte ein Unternehmenssprecher. 

Europäische Airlines mit Boeing 737 Max 8

  • Norwegian
  • Icelandair
  • Turkish Airlines
  • Smartwings (Tschechien)
  • Tui (in Belgien und Schweden, in Deutschland erst ab April)

Auch Ryanair setzt auf die Boeing 737 Max, und zwar in einer adaptierten Version der Max 8 (Max 2000). Der Erstflug war für heuer geplant.

Die Entscheidung vieler Airlines, die ihre Maschinen vom Typ Boeing 737 Max 8 aus Sicherheitsgründen vorübergehend stilllegten, widersprach der Haltung der US-Luftfahrtbehörde FAA. Diese erließ kein Startverbot für die Maschinen. "Diese Untersuchung hat gerade erst begonnen, und uns liegen bisher keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen", teilte die FAA am Montag (Ortszeit) mit. Auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) erteilte vorerst kein Startverbot.

Boeing äußerte aber nach etlichen Startverboten weltweit Verständnis dafür, dass Aufsichtsbehörden und Airlines "Entscheidungen treffen, die sie am angemessensten für ihre Heimatmärkte halten", betonte aber "volles Vertrauen" in die Baureihe zu haben. Das Unternehmen arbeite weiter mit Regulierern und Kunden zusammen, damit diese die nötigen Informationen erhielten, um Vertrauen in den Betrieb der Flotte zu haben. Boeing verwies erneut darauf, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA derzeit keine weiteren Maßnahmen fordere. Auf Basis der derzeit verfügbaren Informationen gebe es keine Grundlage, neue Anweisungen für den Betrieb der 737-Max-Flotte auszugeben.

Boeing muss Software verbessern

Bereits nach dem Absturz einer Lion-Air-Maschine im Oktober vermuteten Ermittler, dass eine neue Steuerungssoftware der Boeing eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte. Der Crash in Äthiopien am Sonntag wies gewisse Ähnlichkeiten auf. Boeing versprach einstweilen eine rasche Erweiterung der umstrittenen Steuerungssoftware in den kommenden Wochen. Der Flugzeugbauer habe ein verbessertes Kontrollprogramm entwickelt, um "ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen", erklärte das Unternehmen. Die Aktien des US-Luft- und Raumfahrtriesen schlossen angesichts der Krise am Montag mit einem Minus von 5,4 Prozent.

Die FAA teilte mit, sie werde in Bezug auf die Boeings "geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn die Daten darauf hindeuten, dass dies erforderlich ist". Im vergangenen Jahr habe es zahlreiche technische Prüfungen und Maßnahmen gegeben, die infolge des Absturzes in Indonesien ergriffen worden seien. Experten der FAA und der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB kamen am Dienstag in Äthiopien an, um bei der Klärung der Unglücksursache zu helfen.

System MCAS in der Kritik

Die Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines war am Sonntag auf dem Weg nach Nairobi kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Die Flugschreiber wurden inzwischen am Absturzort gefunden. Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Verkaufsschlagers. Die Überarbeitung der Software erfolgte Boeings Mitteilung zufolge im Zuge des im Oktober in Indonesien abgestürzten Lion-Air-Flugs 610 und werde in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen installiert. Das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) war nach dem Absturz in Indonesien schwer in die Kritik geraten. Laut Unfallermittlern drückte der Bordcomputer die Nase des Flugzeugs automatisch immer wieder nach unten, während die Crew versucht habe, sie nach oben zu steuern.

(Reuters)