Führungsfehler

Sei bloß nicht nett zum Kunden

Kolumne "Führungsfehler". Die Junior Consultant der PR-Agentur war tüchtig, jung und lustig. Die Kunden mochten sie. Auch die ganz wichtigen.

Gehen wir noch auf einen Absacker?, fragte der Vorstand. Er war der größte Kunde der Agentur, die mit ihm gerade den erfolgreichen Abschluss einer Kampagne gefeiert hatte. Man hatte fein gegessen und gut getrunken. Nun wollte die Agenturchefin nichts als heim. Sie war müde.

Sie entschuldigte sich förmlich, ihre Consultants taten es ihr gleich. Aber Sie gehen doch noch mit?, wandte sich der Vorstand an die Junior Consultant. Er mochte ihre frischen Ideen und ihr Lachen.

Die junge Frau war in der Zwickmühle. Sie wollte nicht aus der Reihe tanzen, aber ihr nächster Zug fuhr erst in einer Stunde.

Warum nicht?, stimmte sie schließlich zu. Um keine Spekulationen aufkommen zu lassen: Der Vorstand benahm sich vorbildlich. Die junge Frau auch. Ein Gläschen, dann ging man fröhlich auseinander.

Am nächsten Tag musste sich die junge Frau von der Chefin einiges anhören. Weißt du, wie das ausschaut?, war noch das Mindeste. Denk an deinen Ruf! Ich will doch nur dein Bestes! Sie klingt wie meine Mutter, dachte die Junge. 

Und doch: Mehr und mehr beschlich sie das Gefühl, dass es nicht um ihren Ruf ging. Sondern um gekränkte Eitelkeit der Chefin, um ein Zurückweisen der Jungen auf ihren Platz: ganz unten nämlich.

Die Consuntant schaute sich das noch zwei Jahre an und fand ihre Vermutung oft bestätigt. Dann gründete sie eine eigene Agentur. Der Vorstand war einer ihrer ersten Kunden.

Sie haben bis heute nichts miteinander.

 

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Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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