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Boeings 737 Max muss in der EU am Boden bleiben

Die 737 Max wird für Boeing vom Hoffnungs- zum Albtraummodell.
Die 737 Max wird für Boeing vom Hoffnungs- zum Albtraummodell.APA/AFP/GETTY IMAGES/JOE RAEDLE

Die Europäische Flugaufsicht EASA verhängt ein Flugverbot für das Problemflugzeug 737 Max. Boeing gesteht erst jetzt Software-Probleme ein.

Wien. Die Flugverbote für die zweimal verunglückte Boeing 737 Max weiten sich aus. Am Dienstagabend verhängte die europäische Flugaufsicht EASA für den kompletten europäischen Luftraum eine Sperre.

Mit der Entscheidung schloss sich die EASA einer langen Reihe von Ländern an: Am Montag hatten bereits China, Indonesien und Äthiopien ein Flugverbot für die Boeing 737 Max erlassen. Am Dienstag ging es Schlag auf Schlag weiter: Am Vormittag erteilten Singapur, Malaysia und Australien ein Start- und Landeverbot. Am Nachmittag folgten Großbritannien – der weltweit drittgrößte Flugzeugmarkt – und kurze Zeit später Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande und Österreich.
Analysten zufolge ist bereits ein Großteil der rund 350 weltweit ausgelieferten 737 Max gegroundet – kann also nicht mehr fliegen. Denn auch ohne staatliches Verbot erklärten Fluggesellschaften wie Norwegian, Aeromexico oder TUI Fly bereits, die Flugzeuge vorerst nicht mehr zu verwenden.

Die Behörden in der Boeing-Heimat USA halten bisher noch zur Firma, aber selbst dort wird die Luft dünner. So sprach sich neben mehreren demokratischen Politikern auch der einflussreiche republikanische Senator Mitt Romney für ein Flugverbot aus. Auch US-Präsident Donald Trump meldete sich zu dem Thema zu Wort: Flugzeuge würden zunehmend zu komplex werden, erklärte er via Twitter. „Ich will keinen Albert Einstein als meinen Piloten.“

Kommt globales Flugverbot?

Sollte die US-Luftfahrtbehörde FAA dem internationalen Trend folgen und ebenfalls ein Flugverbot aussprechen, würde das globale Wirkung entfalten, da die FAA für die erstmalige Zulassung der 737 Max verantwortlich war. Es wäre dies das erste Mal seit 2013, dass ein Flugzeug weltweit am Boden bleiben muss. Damals war die Boeing 787 Dreamliner betroffen, nachdem es an Bord von zwei japanischen Maschinen einen Brand der Lithium-Ionen-Akkumulatoren gegeben hatte.
Wie berichtet, ist diesmal der Auslöser der Absturz einer 737 Max der Ethiopian Airlines am Sonntag, bei dem auch vier aus Österreich stammende Passagiere ums Leben gekommen sind. Boeing räumte am Dienstagvormittag ein, dass es spätestens bis April ein Software-Update für das umstrittene System MCAS geben soll. Dieses System wird für die Abstürze verantwortlich gemacht.

Eigentlich soll MCAS verhindern, dass das Flugzeug zu steil nach oben steigt, weil dann ein Strömungsabriss die Folge sein kann, der die Maschine zum Absturz bringt. Aufgrund fehlerhafter Sensoren soll das System nun aber beim normalen Steigflug eingegriffen und die Flugzeugnase trotz gegenläufiger Kommandos der Piloten nach unten gedrückt haben.

Von Boeing wurde jedoch auch mitgeteilt, dass „die Piloten immer die Möglichkeit hätten, das System zu überstimmen“. Laut bisherigen Informationen dürften viele Piloten jedoch nicht ausreichend über die Funktionsweise von MCAS informiert worden sein.

Sparstrategie wird nun teuer

Grund dafür ist, dass Boeing die Strategie fährt, die 737 Max als reine Weiterentwicklung der seit den 1990er-Jahren gebräuchlichen 737 NG zu vermarkten. Dadurch sollen sich die Fluglinien teure Umschulungen sparen. Da die 737 Max jedoch wesentlich schwerere Triebwerke hat, war die Einführung von MCAS notwendig, damit die Flugeigenschaften ähnlich jener des Vorgängermodells sind. Für die Fluggesellschaften fallen aufgrund der Flugausfälle nun hohe Kosten an, weshalb es wohl Schadenersatzansprüche gegen Boeing geben wird. Heimische Fluglinien sind nicht betroffen, sie nutzen das Konkurrenzmodell Airbus A320. In Europa nutzen die Maschine derzeit die polnische LOT, Turkish Airlines, Ryanair sowie TUI Fly in Großbritannien und Belgien.

Allerdings wollte die deutsche TUI Fly ab April 25 Maschinen einsetzen. Bei Ferienflügen mit Abflug ab Deutschland könnte es somit auch für Österreicher Probleme geben. Touristen, die bei TUI eine Reise mit Abflug aus Österreich buchen, würden jedoch nicht mit TUI Fly fliegen, heißt es bei dem Reisekonzern auf Anfrage. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2019)