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Starker Besucherrückgang im Volkstheater

2018 hatte das Volkstheater nur 52,4 Prozent Auslastung – deutlich weniger als erwartet.

Es ist schon lange her, dass man über die Auslastung des Volkstheaters Jubel hörte. Im Mai 2013 inszenierte Intendant Michael Schottenberg die Spielplanpräsentation eindrucksvoll – er ließ die Journalisten auf der Bühne Platz nehmen. Er wollte damit auf die dringend nötige Renovierung des Hauses aufmerksam machen, die sich durch den Blick hinter die Kulissen von selbst erklärte. Und er hatte Erfreuliches zu verkünden: Mit Shows und leichter Unterhaltung war es ihm gelungen, das Publikum zurückzuerobern – die Auslastung lag damals bei 78 Prozent.

Von solchen Zahlen kann Schottenbergs Nachfolgerin Anna Badora nur träumen. 850 Plätze sind pro Vorstellung zu befüllen. Intern soll es laut einem damaligen APA-Bericht schon 2016 „heftige Kritik an künstlerischen Entscheidungen“ gegeben haben, die man für geringe Auslastung und Abonnenten-Rückgang verantwortlich machte. Dass die Auslastung immer schlechter wird, blieb 2016 nur ein unbestätigtes Gerücht. Nun wurde es im Wiener Gemeinderat mit Zahlen untermauert: 2018 lag die Auslastung des Volkstheaters im Haupthaus bei nur 52,4 Prozent, in den Bezirken erzielte man 47,7 Prozent – beide Werte liegen deutlich unter der Planrechnung, die die Volkstheater GmbH ihrem Antrag auf eine Förderung durch die Stadt Wien beigelegt hatte: Darin rechnete man für 2018 mit einer Auslastung von 61 Prozent (für 2019 und 2020 von 55 Prozent). Für das Volkstheater in den Bezirken wurde im Förderantrag für 2018 eine Auslastung von 70,5 Prozent berechnet (für 2019 und 2020 rechnete man mit 50 Prozent). Das geht aus der Beantwortung einer Neos-Anfrage durch die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler hervor.

Und was sagen die Zuständigen zu den Zahlen? Vorerst nichts. Weder die Volkstheater-Direktion noch die Vorsitzenden des Aufsichtsrats und der Volkstheater-Stiftung wollten auf Anfrage der „Presse“ dazu Stellung nehmen.

Kaup-Hasler macht auch klar, dass das Haus unter chronischer Unterdotierung leidet: „Die öffentliche Gesamtförderung eines Hauses in der Größe und mit dem Aufgabenbereich des Volkstheaters ist im internationalen Vergleich relativ gering“, heißt es in der Anfragebeantwortung. Sie wolle sich bei den Budgetverhandlungen „für eine Erhöhung der derzeitigen Förderung einsetzen“.

 

18,6 Prozent Eigendeckungsgrad

116.258 Karten hat das Volkstheater 2018 für alle Spielstätten in Summe ausgegeben (8,5 Prozent davon Freikarten) und damit 2,14 Millionen Euro netto eingenommen. Der Eigendeckungsgrad lag damit bei 18,6 Prozent (im Haupthaus) bzw. 20 Prozent (in den Bezirken) – und liegt ebenfalls unter der Zielvereinbarung. Nach nur einer Amtsperiode wird Anna Badora ihren Platz am Volkstheater im Jahr 2020 räumen. 70 Bewerber kandidieren um ihre Nachfolge. Bis Mitte April soll die Entscheidung fallen. (i. w.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2019)