RBI-Chef: „Wir erwarten keine Strafe“

Gäbe es die Geldwäsche-Affäre nicht, könnte RBI-Chef Strobl derzeit feiern.
Gäbe es die Geldwäsche-Affäre nicht, könnte RBI-Chef Strobl derzeit feiern.APA/HERBERT PFARRHOFER
  • Drucken

Es habe im Umfeld der jüngsten Geldwäsche-Vorwürfe keine strafbaren Handlungen der RBI gegeben, so Bankchef Johann Strobl anlässlich der Präsentation der Bilanz für 2018.

Wien. Eigentlich hätte Johann Strobl, Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), am Mittwoch ja lieber nur über das gute Ergebnis der Bank im Jahr 2018 gesprochen. Er wisse jedoch, dass die jüngsten Vorwürfe rund um angebliche Verwicklungen der Bank in Geldwäsche die Öffentlichkeit derzeit am meisten interessieren. Und deshalb startete er seine Bilanzpräsentation auch mit dem für die RBI unangenehmen Thema.

Wobei Strobl dabei neuerlich die bekannte Position der RBI untermauerte: „Ich bin überzeugt, dass unsere Compliance-Organisation robust ist.“ Sie werde regelmäßig von externen Stellen überprüft. „Wir erwarten auch keine Strafe. Es wurden aus unserer Sicht keine strafbaren Handlungen gesetzt.“ Dennoch nehme man die Vorwürfe ernst, sofern sie der RBI im Detail überhaupt bekannt sind.

Wie mehrfach berichtet, präsentierte das internationale Recherchenetzwerk OCCRP in der Vorwoche die Ergebnisse im Fall „Troika-Laundromat“. Auf Basis eines Datenleaks bei der 2013 pleitegegangenen litauischen Ukio-Bank wurde ein System aus Briefkastenfirmen dargestellt, mit dem die russische Troika-Bank es ihren Kunden soll ermöglicht haben, rund 4,2 Mrd. Euro an Schwarzgeld außer Landes zu bringen und dabei weißzuwaschen. Vorgekommen sind in den Daten auch heimische Banken. So soll die RBI 630 Mio. Dollar an verdächtigen Zahlungen erhalten haben.

Eigene Taskforce eingerichtet

Von an der Recherche beteiligten Journalisten habe man nun Kontonummern und Namen erhalten. Diese würden von einer eigens eingerichteten Taskforce mit den heute vorhandenen technischen Möglichkeiten noch einmal untersucht werden, so Strobl weiter. Dabei sei man auch in enger Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden. Ein Ergebnis dieses Prozesses wird in zwei bis drei Monaten erwartet. An der Börse reagierte die RBI-Aktie in der Vorwoche mit einem Einbruch um mehr als zehn Prozent auf die Vorwürfe. Warum die Anleger auf die Nachrichten so nervös reagiert haben, kann man bei der RBI auch nicht ganz nachvollziehen, schließlich stehe das Unternehmen gesund da und habe das gute Ergebnis des Jahres 2017 neuerlich verbessert.

So konnte die Bank im Vorjahr das Konzernergebnis um fast 14 Prozent auf 1,27 Mrd. Euro anheben. Sowohl bei den Zins- als auch beim Provisionsüberschuss habe es eine Zunahme um je vier Prozent gegeben. Und das, obwohl das Polen-Geschäft verkauft wurde. „Ohne Polen haben die Kundenkredite sogar um zehn Prozent zugelegt“, so Strobl.

NPL-Quote nur 3,8 Prozent

Ebenfalls positiv bemerkbar machten sich die erneut gesunkenen Risikokosten. So musste die RBI lediglich 166 Mio. Euro für notleidende Kredite vorsorgen, gegenüber 312 Mio. Euro im Jahr 2017. Die Zahl der notleidenden Kredite im Verhältnis zur gesamten Kreditsumme sank auf 3,8 Prozent, wovon für 77,6 Prozent bereits bilanzielle Vorsorgen getroffen wurden. Selbst im ehemaligen Krisenland Ukraine liegt die NPL-Quote nur mehr knapp über zehn Prozent. Dort wurde in den vergangenen drei Jahren auch mehr verdient, als während der Ukraine–Krise zuvor an Verlusten angefallen war.

Allerdings spüre man, dass sich der Konjunkturzyklus langsam dem Ende nähert. Für die nächsten Jahre erwartet die RBI nur mehr ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Da die Kapitalanforderungen jedoch bereits übererfüllt sind, sollen 20 bis 50 Prozent der Gewinne als Dividende ausgeschüttet werden. Für 2018 sind das 93 Cent je Aktie. Den Aktionären gefiel das, die Aktie lag deutlich im Plus. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2019)

Mehr erfahren

Geld & Finanzen

Raiffeisen will nach Milliardengewinn in Osteuropa zukaufen

Die Raiffeisen Bank International hat im Vorjahr 1,27 Milliarden Euro verdient. Nun will sie nicht nur die Dividende um 50 Prozent erhöhen, sondern auch in Osteuropa expandieren.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.