Erdoğan: "Die Welt hat Islamfeindlichkeit sogar gefördert“

Der türkische Präsident Erdoğan
Der türkische Präsident ErdoğanAPA/AFP/ADEM ALTAN

Der türkische Präsident stellte sich an die Spitze der Empörung in der islamischen Welt nach dem Terror in Neuseeland. In Jerusalem sagte Premierminister Netanjahu indes: „Israel trauert".

Die Anschläge in Christchurch haben weltweit Entsetzen, vor allem in muslimischen Ländern aber auch Zorn und Vorwürfe der Islamfeindlichkeit ausgelöst. Königin Elizabeth II., Neuseelands Staatsoberhaupt, verlautbarte, dass „in dieser tragischen Zeit meine Gedanken und Gebete bei allen Neuseeländern sind". Weitere Kondolenzen kamen von anderen Mitgliedern des Königshauses, etwa Prinz Harry. Auch Premierministerin Teresa May kondolierte.

Sadiq Khan, der erste Moslem als Bürgermeister von London, sagte, die Londoner stünden „Seite an Seite mit den Menschen in Christchurch". Er griff Menschen an, die religiösen Hass fördern: „Wenn man die Flammen des Hasses anfacht, Menschen wegen ihres Glaubens dämonisiert, wenn man mit Ängsten von Menschen spielt, statt sich mit ihnen beschäftigt, sind die Folgen tödlich, wie wir es heute gesehen haben."

"Unsere Gedanken sind bei unseren Kiwi-Cousins"

In Australien, von wo zumindest der Haupttäter stammt, twitterte Premier Scott Morrison: „Ich bin entsetzt über die Berichte. Unsere Gedanken und Gebete sind bei unseren Kiwi-Cousins." (In Anspielung auf das liebevolle Synonym „Kiwi" für Neuseeländer). US-Präsident Donald Trump wiederum schrieb: „Mein herzliches Beileid und meine besten Wünsche gehen an die Menschen in Neuseeland nach dem schrecklichen Massaker in den Moscheen." Papst Franziskus verurteilte „mit tiefer Traurigkeit" den „sinnlosen Gewaltakt" gegen die Gläubigen. Er bete für die moslemische Gemeinde und alle Neuseeländer.

Erste Massenproteste in Bangladesch

Aus Deutschland kamen Statements etwa von Kanzlerin Angela Merkel („Angriff auf die offene und tolerante Gesellschaft Neuseelands)", Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier („Feige Anschläge") und dem Chef des Muslim-Zentralrats, Aiman Mazyek („Rechtsradikale mit Moslemhass, Rassismus, Menschenverachtung"). Ähnlich äußerten sich unter anderen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dessen Land oft Ziel islamistischen Terrors war; EU-Ratspräsident Donald Tusk; Österreichs Präsident Alexander Van der Bellen („So eine grausame und bösartige Tat muss sehr stark verurteilt werden") und Kanzler Sebastian Kurz („Bin schockiert und betrübt über die terroristische Attacke in Christchurch"). Russlands Präsident Wladimir Putin forderte eine strenge Bestrafung. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu indes sagte, dass Israel wegen der Angriffe trauere.

Islamfeindlichkeit als "Krebsgeschwür im Westen"

Aus Bangladesch, von wo viele Muslime in Neuseeland stammen, wurden Massenproteste wegen der Morde berichtet. Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, machte den Westen in einer ziemlichen Suada für „wachsende Islamfeindlichkeit" verantwortlich, die „die Welt untätig zugelassen und sogar gefördert" habe. Sie würde sich „im Westen ausbreiten wie ein Krebsgeschwür".

Die Leitung der Al-Azhar-Universität in Kairo, der höchsten sunnitischen Institution, sprach von „Folgen eskalierender Hass-Sprache und Islamfeindlichkeit". Laut Pakistans Premier, Imran Khan, gälten seit dem Terror von 9/11 in New York „1,3 Milliarden Muslime kollektiv für jeden Terrorakt als Schuldige". Aus Teheran hieß es, Islamfeindlichkeit bedrohe die Sicherheit weltweit. Relativ moderat dagegen das saudische Außenministerium: „Terror hat weder Religion noch Heimat."

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