Versicherer verabschieden sich von der Kohle

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Symbolbild.(c) imago/Revierfoto (Revierfoto)

Uniqa und Vienna Insurance ziehen sich schrittweise aus Investitionen und Einzelversicherungen zurück.

Wien. Der Kohleindustrie kommen schön langsam ihre Geldgeber abhanden. Seit dem Jahr 2013 haben sich bereits mehr als 100 Unternehmen aus dem globalen Finanzbereich dazu entschieden, keine Investments mehr in diesem Segment zu tätigen, sie einzuschränken und gewisse Unternehmen gar nicht mehr zu versichern.

Auch die beiden großen börsenotierten heimischen Versicherer Uniqa und Vienna Insurance Group haben nun die Reißleine gezogen. Noch im November hat ein Bericht der „Presse“ gezeigt, dass beide Versicherungen auf den Energieträger Kohle setzen. Doch hat die Uniqa bereits damals verlautbart, dass es ab 2019 zu Änderungen kommen wird. Am gestrigen Freitag gab das Unternehmen nun bekannt, sein Veranlagungsportfolio mehr oder weniger von Kohleinvestments bereinigt zu haben. Die Versicherung kann aber weiter in Firmen investieren, sofern diese nicht mehr als 30Prozent ihres Umsatzes mit dem fossilen Energieträger erzielen – eine international übliche Schwelle. In Summe geht es um Kapitalanlagen in der Höhe von 20 Mrd. Euro.

Zudem entschloss sich die Uniqa, keine neuen Risken mehr in der Kohleindustrie zu tragen. Kohleminen oder Kraftwerke werden seit Jahresbeginn nicht mehr versichert. Mit den bestehenden Kunden wiederum will man bis 2025 gemeinsam nach Ausstiegsmöglichkeiten suchen.

Applaus dafür gab es von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. „Mit ihrer Antikohlestrategie geht Uniqa weiter als alle anderen Versicherungsunternehmen bislang und legt vor allem im Divestment einen neuen Maßstab für die gesamte Branche fest“, jubelte die Nichtregierungsorganisation.

Auch die VIG hatte Mitte Februar in einem Strategiepapier festgehalten, nicht mehr Gelder in Firmen zu stecken, die mehr als 50Prozent ihres Geschäfts mit Kohle oder Kohleverstromung machen. Versicherungen in dem Bereich werde man schrittweise reduzieren. In jenen Ländern, die noch keine Ausstiegsszenarien aus der Kohle hätten, wie Polen, sei es den Tochtergesellschaften aber gestattet, bestehende Verträge weiterlaufen zu lassen. Immerhin müsse man die Energieversorgungen weiterhin gewährleisten können, so die Argumentation.

 

Öl und Gas werden gemieden

In den vergangenen Jahren haben NGOs massiven Druck auf die Versicherungsindustrie ausgeübt, dem Klimakiller Kohle den Rücken zu kehren. Internationale Konzerne, wie AXA, Allianz oder Swiss Re sind diesen Schritt schon gegangen, zum Teil haben sie Obergrenzen für ihre Investments eingeführt. Kohle ist immerhin für fast die Hälfte aller CO2-Emissionen verantwortlich.

Der Ausstieg der Finanzindustrie hat freilich noch andere Gründe. Regierungen wenden sich vermehrt erneuerbaren Energien zu. Deutschland will bis 2038 aus der Kohle ausgestiegen sein. Für die Financiers ist das Risiko also hoch, da ihnen so ein Geschäftszweig wegbrechen kann und sie auf Investitionen sitzen bleiben. Auch aus Öl- und Gasfirmen ziehen sich immer mehr Finanzmarktakteure zurück. (nst)