analyse. Warum die SPÖ-Spitze den FPÖ-Chef schont.
Es war einmal ein politischer Paria, rechts außen angesiedelt, an dem man am besten gar nicht anstreift. Doch in den vergangenen Monaten haben die Chef-Genossen der Bundes-SPÖ Heinz-Christian Strache von einer anderen Seite kennen- und dessen Handschlagqualität und Paktfähigkeit schätzen gelernt. Vielleicht ist man auch ein wenig Straches herben Charme erlegen. Denn wenn sich ein "Bösewicht" im persönlichen Umgang wider Erwarten als zivilisiert, ja als zuvorkommend entpuppt, ist man schnell positiv überrascht. Das Verhältnis zwischen SPÖ-Klubchef Josef Cap und Strache gilt als vorbildlich. In der Wiener Kommunalpolitik war die Achse Häupl-Strache ja schon länger als tragfähig bekannt.
Und jetzt, da Strache im (rechten) Eck ist, da lässt man ihn nicht so einfach fallen. Das tut man nicht, rein menschlich nicht.
Und so hat sich Rot-Schwarz auch schon das Dritte Lager untereinander aufgeteilt. Unausgesprochen gilt: Strache, das ist "unser" Rechter (SPÖ). Haider, das ist "unser" Rechter (ÖVP).
HC Strache hatte der SPÖ bei der Abwahl des (schwarzen) Ancien Regime im ORF geholfen. Die Fäden auf FPÖ-Seite hatte der honorige Anwalt Peter Fichtenbauer, ein Freund des Vaters von Neo-General Alexander Wrabetz, gezogen. Gerade an Wrabetz lässt sich die versöhnliche Annäherung der beiden Lager gut festmachen: Er stammt aus freiheitlicher Familie, wandte sich als Jugendlicher der Sozialdemokratie zu und wurde nun mit roten und blauen (und auch grünen und orangen) Stimmen zum ORF-Chef gewählt.
Als die Einsetzung eines Eurofighter- und Banken-U-Ausschusses anstand, verließ das BZÖ die "Regenbogenkoalition". Die FPÖ aber blieb und hielt Wort. Zudem hätte Strache eher eine SP-Minderheitsregierung unterstützt als ein neuerliches Schüssel-Projekt. Avancen der ÖVP hat er zurückgewiesen.
Eine neue Umfrage gibt Gusenbauer Recht (siehe Kasten), das wird auch die internen Kritiker milder stimmen. Mit der Strache-FPÖ hat er - zumindest als Druckmittel gegenüber der ÖVP - endlich eine weitere Option zur Hand.
Gusenbauer und Strache - ein kleines Stück des Weges haben sie gemeinsam schon zurückgelegt. Auch wenn der SPÖ-Chef nun leicht auf Distanz geht.