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Kuschelwuschel

Kolumne Was machen Sie so, wenn Sie im Supermarkt an der Kassa stehen? (Natürlich immer an jener, an der es am langsamsten vorangeht.)

Ich rätsle gern über die Einkaufsmotive der Menschen. Jener Frau zum Beispiel, die etwa 20 Ketchupflaschen und eine Avocado aus dem Wagerl geräumt hat. Hat sie eine ganz große Pommes-Party geplant, aber vorhin vergessen, die obligatorische Begleitung zu besorgen? Oder braucht sie das Ketchup als Fake-Blut für einen Filmdreh? Und wenn ja, welche Funktion hätte dann die einsame Avocado?

Vor ein paar Wochen hat ein Mann vor mir zwei sehr konträre Dinge bezahlt: einen Wäscheständer und einen Liter Milch. Die Frage, ob er den Kauf des Wäscheständers geplant hatte und spontan Milch für den Kaffee mitgenommen hat oder nur schnell Milch holen wollte und dann über das Wäscheständerangebot gestolpert ist, wird die Menschheit jetzt vermutlich nicht entscheidend weiterbringen. Aber gefragt hätte ich schon gern. Neulich in Berlin in einer DM-Filiale beim Kadewe räumte neben mir eine Gruppe asiatischer Touristinnen die Regale einkaufswagerlweise leer. Eine Frau kaufte gleich zig Packungen Kosmetiktaschentücher, und da stellt sich durchaus die Frage, wie teuer selbige in ihrer Heimat sein müssen, damit sie die freiwillig Tausende Kilometer transportiert?

Dem Kind wiederum macht das Einkaufengehen keinen Spaß, weshalb es meist nicht mitkommt. Das hat viele Vorteile. Man muss nicht mehr, so wie früher, Umwege durch die faden Regale mit den Essiggurkerln einlegen, nur damit das (Klein-)Kind die Süßigkeiten nicht entdeckt. Weil es nun schon länger nicht mit war, weiß das Kind noch gar nicht, wie sehr die Gummibärenabteilung aufgerüstet hat. Da gibt es neuerdings Happy Ponys, Ritterfreunde und Faultiere, Koalas und Robben, die unter dem hochinteressanten Namen Kuschelwuschel verkauft werden. Kuschelwuschel! Klingt das nicht viel zu flauschig, um gegessen zu werden? Die Kuschelwuschels kosten übrigens circa so viel wie die Kosmetiktaschentücher. Aber erzählen sie das bloß nicht den asiatischen Touristinnen. Oder meinem Kind.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2019)